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Homophober serbischer Patriarch Irinej an Coronavirus gestorben

Der 90-Jährige übte großen politischen Einfluss auf Serbien aus

Micki/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Patriarch Irinej, das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, ist an Covid-19 gestorben. Das berichtete der serbische Präsident Aleksandar Vucic am Freitag auf seinem offiziellen Instagram-Account. Während seiner Amtszeit hat sich der politisch einflussreiche Kirchenführer mehrmals öffentlich gegen LGBTI-Rechte ausgesprochen.

Lesben und Schwule waren für den 90-Jährigen „unnatürlich“

So hat Irinej im Mai 2014 Lesben und Schwule als „unnatürlich“ bezeichnet und ein Verbot aller LGBTI-Demonstrationen gefordert. „Mir tun die Leute leid, die Teil der sogenannten homosexuellen Bevölkerung sind. Das ist eine Störung und eine Abweichung von der menschlichen Natur“, sagte er damals einem Belgrader Magazin. Er könne „die Leute und ihr Problem“ verstehen, allerdings nicht, dass sie sich „in der Öffentlichkeit zeigen“.

„Das erste Gottesgebot lautet: ‚Vermehret Euch‘.“, so der serbisch-orthodoxe Patriach weiter: „Wenn man einen Birnen- oder Apfelbaum hat, der keine Früchte trägt, werden diese Bäume ausgerissen und solche neu gepflanzt, die Früchte tragen.“ Einige Wochen zuvor erklärte er, „Werbung für Homosexualität“ gehöre – genauso wie Drogen und Alkoholismus – zu jenen Dingen, „die die Existenz unseres Volkes gefährden“.

Die Belgrade Pride war für Irinej eine „schamlose“ Veranstaltung

Wenige Monate später sagte er im Vorfeld der Belgrade Pride, die „schamlose“ Veranstaltung lege einen moralischen Schatten auf Serbien: „Die Organisatoren solcher Paraden und ihre Unterstützer aus Europa weigern sich, Rückschlüsse daraus zu ziehen, was in den letzten Jahren passiert ist“ – die Belgrade Pride musste die drei Jahre zuvor wegen Gewaltandrohungen aus nationalistischen und klerikalen Kreisen abgesagt werden.

Der Staat dürfe kein Geld für Homosexualität, Kindesmissbrauch oder Inzest „verschwenden“, forderte der Patriarch damals. „Seid ihr so blind wegen eurer Lust und eures Egoismus, dass es euch nichts ausmacht, den gesamten Staatsapparat für eure Zwecke zu nutzen und damit Kosten zu verursachen, die nicht zu rechtfertigen sind?“, richtete er den Organisatoren der Belgrade Pride aus.

Irinej dürfte sich bei der Trauerfeier eines ebenfalls homophoben Erzbischofs angesteckt haben

Bei Irinej, der bürgerlich Miroslav Gavrilovic geheißen hatte, war am 4. November eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Seitdem hatte er sich in einem Belgrader Militärkrankenhaus befunden. Infiziert hatte er sich vermutlich vier Tage zuvor beim Begräbnisgottesdienst für das serbisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt in Montenegro, Erzbischof Amfilohije.

Der Würdenträger war Ende Oktober im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben. Irinej leitete den Begräbnisgottesdienst, bei dem sich die meisten anwesenden Geistlichen nicht vor dem Corinavirus geschützt hatten.

Auch Amfilohije war während seiner Amtszeit durch homophobe Kommentare aufgefallen: So bezeichnete er die Pride-Paraden in der Region als „Gestank und Gift“ oder „Paraden des Todes“, die denselben Prinzipien folgen würden wie Nationalsozialismus oder Kommunismus. Internationale Aufmerksamkeit erregte der Metropolit mit seiner Behauptung, Conchita Wurst sei schuld an der Jahrhundertflut, die 2014 große Teile des Westbalkans überflutete.

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