Evangelische Kirche Schaumburg-Lippe erlaubt Segnungen für schwule und lesbische Paare

Von echten Eheschließungen ist man im Norden Deutschlands aber noch weit entfernt

Lutherrose
Symbolbild - Archiv

Als letzte der zwanzig evangelischen Landeskirchen in Deutschland hat nun auch die Evangelisch-Lutherische Kirche Schaumburg-Lippe die öffentliche Segnung schwuler und lesbischer Paare festgehalten. Doch andere Landeskirchen sind hier schon einen großen Schritt weiter.

Nach sechs Jahren Beratung einigte man sich auf den Minimalkompromiss

Mit 31 Stimmen wurde die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bei der Synode der norddeutschen Landeskirche beschlossen. Es gab eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Pastorinnen und Pastoren, die eine solche Segnung mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, müssen diese auch nicht durchführen. Die Beratungen, die zu dieser Kompromisslösung führten, haben immerhin sechs Jahre gedauert.

Die liturgische Ordnung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist dabei analog zu jener von heterosexuellen Ehepaaren – von den Formulierungen des Treueversprechens über den Ringwechsel bis hin zu den Segensworten. Bis jetzt waren in der Landeskirche Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare nur im persönlichen Rahmen möglich, nicht aber in einem öffentlichen Gottesdienst.

„Die große Einmütigkeit bildet den Prozess ab, den wir als Kirche in dieser Frage durchlaufen haben. Wir haben trotz unterschiedlicher Überzeugungen zueinander gefunden. Dies ist für uns ein wichtiges (geistliches) Signal. Jede Kirchengemeinde ist mit ihrer Stellungnahme gehört worden“, freut sich Landesbischof Karl-Hinrich Manzke über das deutliche Votum.

Lob und Kritik vom Lesben- und Schwulenverband

Auch deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt die Entscheidung der norddeutschen Landeskirche. „Dieser Beschluss war lange überfällig. Auch wenn zukünftig das gleiche Zeremoniell für die Eheschließungen verwendet wird, bleibt es allerdings für gleichgeschlechtliche Paare bei dem Begriff Segnung. Wir bitten die Mitglieder der Synode im nächsten Jahr hier auch begrifflich deutlich zu machen, dass heterosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare denselben Respekt und dieselbe Anerkennung verdient haben“, so Benjamin Rottmann, Vorsitzender des LSVD Niedersachsen-Bremen.

Denn andere evangelische Landeskirchen in Deutschland haben die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bereits geöffnet – etwa die Landeskirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Bremen, Mittel- und Norddeutschland, Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck, Oldenburg, Pfalz, oder Westfalen. In Baden und dem Rheinland gilt der öffentliche Segnungsgottesdienst als kirchliche Amtshandlung und ist damit der Trauung gleichgestellt.