Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune outet sich als schwul

Das öffentliche Coming Out ist für den Politiker auch ein wichtiges politisches Statement

Clément Beaune
Französisches Außenministerium

Clément Beaune, der französische Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten, ist schwul. Das berichtet das traditionsreiche Magazin Têtu in seiner heute erscheinenden Jubiläumsausgabe. In dem Interview kündigt der 39-Jährige auch an, nächstes Jahr eine „LGBT-ideologiefreie Zone“ in Polen besuchen zu wollen.

Zu seiner Homosexualität zu stehen ist auch 2020 „keine Selbstverständlichkeit“

Têtu hatte den Staatssekretär anlässlich des 25-jährigen Magazinjubiläums zu einem Interview gebeten. Auf eine Frage, in der es um LGBTI-Rechte in Europa ging, antwortete Beaune unter anderem: „Ich bin schwul und habe kein Problem, das zu sagen.“ Homosexualität sei heute „kein Hindernis mehr“ für ein politisches Amt.

Es scheine zwar trivial, das zu sagen, „aber es ist keine Selbstverständlichkeit“. In dem Interview setzt Clément Beaune seine eigene Homosexualität auch in den politischen Kontext: „Schläge, Gewalt, Ablehnung, das alles geschieht im Jahr 2020. Heute von meiner sexuellen Orientierung zu berichten, ist keine Unanständigkeit oder Inszenierung von Intimität“, macht er klar.

Nächstes Jahr möchte Beaune in Polen eine „LGBT-ideologiefreie Zone“ besuchen

Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte sich Beaune kritisch über die Lage sexueller Minderheiten in Polen geäußert. Im Gespräch mit Têtu kündigte er nun an, nächstes Jahr eines jener Gebiete zu besuchen, das sich als „LGBT-ideologiefreie Zone“ erklärt hat. Er kämpfe nicht nur gegen diese Ideologie, weil er selbst schwul sei, betont Beaune: „Es wäre beleidigend zu sagen, dass ich diesen Kampf für mich selbst führe“

Vielmehr gibt es einen größeren Kontext: „Als Staatssekretär für europäische Angelegenheiten habe ich eine zusätzliche Verantwortung. Ich muss dafür kämpfen, Toleranz zu verbreiten“, so der 39-Jährige. „Ich stamme aus einer Familie, in der Menschen deportiert wurden, weil sie noch vor zwei Generationen Juden waren. Das hallt bei mir nach“, so der Staatssekretär.

Nach einer Ausbildung an mehreren politischen Kaderschmieden startete Clémente Beaune seine Karriere als Beamter in der Budgetsektion des Wirtschafts- und Finanzministeriums. In den letzten Jahren hatte der glühende Europäer Präsident Emmanuel Macron in Fragen der europäischen und internationalen Politik beraten – und bei EU-Gipfeln die Fäden im Hintergrund gezogen. Ende Juni folgte er Amélie de Montchalin im Europa-Staatssekretariat nach.