Bremen: Homophober Pfarrer darf nicht mehr predigen

Kirchenfunktionär entschuldigt sich bei Betroffenen für "Leid und Unrecht"

Olaf Latzel
Radio Bremen

Der wegen Volksverhetzung nicht rechtskräftig verurteilte Bremer Pastor Olaf Latzel darf nicht mehr predigen. Das hat die Bremische Evangelische Kirche (BEK) in einer Sitzung am 10. Dezember beschlossen – und sich bei allen, denen durch Latzels Äußerungen „Leid und Unrecht“ zugefügt wurde, entschuldigt. Die Entscheidung will die BEK notfalls auch gegen den Willen Latzels durchsetzen.

Latzel sprach von einer „teuflischen Homo-Lobby“ und „Gender-Dreck“

Latzel wurde Ende November in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro verurteilt, weil er nach Ansicht des Gerichts zum Hass auf Homosexuelle angestachelt hatte. Im Oktober 2019 hatte der konservative Pastor in einem Eheseminar gemeint, dass der „ganze Genderdreck eine Art Angriff auf Gottes Schöpferordnung“ sei. Außerdem liefen überall „diese Verbrecher rum vom CSD, feiern Partys und am Rathaus hängt die Regenbogenfahne“, so der Geistliche weiter. Bei dem Seminar sprach Latzel auch von einer „teuflischen“ Homo-Lobby.

Ein Mitschnitt des Eheseminars wurde im März mit der Einwilligung Latzels auf seinem YouTube-Kanal online gestellt, der rund 25.000 Abonnenten hat. Dadurch kam es zu einem öffentlichen Aufschrei, durch den der Pastor letztendlich vor Gericht landete. Dort verteidigte sich Latzel damit, dass sich die Äußerungen nicht generell auf Homosexuelle bezogen hätten, sondern auf jene Homosexualität, die in der Bibel als Sünde abgelehnt werde. Diese Argumentation ließ die Richterin nicht gelten: Homosexualität ohne Menschen sei nicht vorstellbar, betonte sie.

Latzels Anwalt bezeichnete das Urteil bei der Verkündung als „Katastrophe“ und „Einfallstor zur Beschränkung der Meinungsfreiheit“. Er ist bereits in Berufung gegangen. Ein entsprechender Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Da die Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hat, ist übrigens eine höhere Strafe in der nächsten Instanz ausgeschlossen.

Die Kirche lässt Latzel nicht predigen, solange das Verfahren läuft

Am Donnerstag hat nun der Kirchenausschuss der BEK entschieden, dass Latzel während der Dauer des Verfahrens nicht als Pastor für die Bremer Protestanten tätig werden darf. Sollten sich Latzel und die BEK nicht über die Modalitäten dieser Zwangspause einigen, steht auch eine vorläufige Enthebung des Dienstes im Raum. Das kircheninterne Disziplinarverfahren gegen Latzel bleibt bis zu einem endgültigen Urteil ebenfalls ausgesetzt. Latzel und sein Rechtsbeistand können bis Mittwoch im Rahmen einer Anhörung Stellung zu dieser Entscheidung nehmen.

„Es ist nach unserer Überzeugung nicht möglich, dass ein Pastor, der von einem Gericht der Bundesrepublik Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist, während der Dauer des Disziplinarverfahrens weiter seinen Dienst tut“, so Pastor Bernd Kuschnerus, der Schriftführer der BEK. Eine glaubhafte Verküdigung des Evangeliums sei während der Dauer des Prozesses „nicht denkbar“. „Der Kirchenausschuss bittet die Menschen, denen durch die Äußerungen von Pastor Latzel Leid und Unrecht zugefügt wurde, um Verzeihung“, so Kuschnerus weiter.