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Großbritannien erleichtert schwulen und bisexuellen Männern die Blutspende

Ab Sommer 2021 gibt es Risikoverhalten, und keine Risikogruppen mehr

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Blut spenden wird im Vereinigten Königreich für schwule und bisexuelle Männer leichter: Das Nationale Gesundheitssystem (NHS), das auch für die Blutspenden verantwortlich ist, wird das Risiko einer Blutspende ab Sommer nach dem individuellen Verhalten der Spender einschätzen, nicht mehr nach der Zugehörigkeit zu einer mutmaßlichen Risikogruppe.

Die derzeitige Drei-Monats-Regel fällt zugunsten einer Einschätzung des persönlichen Risikoverhaltens

Derzeit dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, in Großbritannien und Nordirland drei Monate vor dem Blutspenden keinen gleichgeschlechtlichen Verkehr haben. Doch das ändert sich: Ab nächsten Sommer gibt es für zahlreiche Männer, die Sex mit Männern haben, keine Einschränkungen mehr.

Das betrifft beispielsweise Männer, die seit mehr als drei Monaten in einer monogamen gleichgeschlechtlichen Beziehung sind – sofern sie sich keinem Risiko einer sexuell übertragbaren Krankheit ausgesetzt haben und weder PrEP noch PEP eingenommen haben. Das hat der Blutspendedienst des NHS heute, Montag, angekündigt.

Mit den neuen Richtlinien erfolgt die Risikoabschätzung einer Blutspende ausschließlich nach dem Verhalten der Spender: Ausgeschlossen bleiben Personen mit einem Hoch-Risiko-Verhalten, wie zum Beispiel häufig wechselnde Geschlechtspartner oder eine Vorliebe für Chemsex. Die Angehörigkeit zu einer jetzigen Risikogruppe alleine ist dann kein Ausschlussgrund mehr für die Blutspende.

Für das NHS ist die Liberalisierung keine Gefahr für die Blutsicherheit

Anders als das Rote Kreuz in Österreich sieht man beim NHS keine Gefahr für die Blutsicherheit. „Die Patienten verlassen sich auf die Großzügigkeit und Selbstlosigkeit der Spender für ihr lebensrettendes Blut. Wir sind stolz, die sicherste Blutversorgung der Welt zu haben und ich freue mich, dass wir sichergestellt haben, dass diese Veränderungen in der Spenderauswahl Blut weiterhin sicher machen“, so Su Brailsford vom NHS Blutspendeservice.

„Das Vereinigte Königreich führt nun den Weg an, der eine inklusivere Blutspende sichert und es nun viel mehr schwulen, bisexuellen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben, ermöglicht, Blut zu spenden“, sagte Michael Brady, medizinischer Direktor des Terrence Higgins Trust, der britischen Aids-Hilfe, gegenüber dem Guardian.

Es gebe aber „ganz sicher noch mehr zu tun“, und der Terrence Higgins Trust werde „weiterarbeiten, um sicherzustellen, dass das Blutspendewesen inklusiv und evidenzbasiert ist“, zumal die Beschränkungen für jene, die sich früher Drogen gespritzt hatten, noch weiter in Kraft bleiben.

Männer, die Sex mit Männern hatten, durften als Folge der Aids-Krise im Vereinigten Königreich bis 2011 überhaupt kein Blut spenden. Danach mussten sie zwölf Monate enthaltsam leben, im Jahr 2017 wurde diese Zeit auf drei Monate reduziert. In Österreich gilt seit einem Jahr eine Beschränkung auf zwölf Monate.

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