Bolivien: Erste Eingetragene Partnerschaft eines schwulen Paares anerkannt

Verfassungsgericht gibt den beiden Männern in einem bahnbrechenden Urteil Recht

David Víctor Aruquipa Pérez und Guido Alvaro Montaño Durán
David Víctor Aruquipa Pérez

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat Bolivien zum ersten Mal die Eingetragene Partnerschaft eines gleichgeschlechtlichen Paares anerkannt. Die Verbindung von David Víctor Aruquipa Pérez und Guido Alvaro Montaño Durán sei am 11. Dezember standesamtlich registriert worden, bestätigte die zuständige Bürgerbeauftragte Nadia Cruz.

Bis jetzt haben die Behörden gleichgeschlechtliche Paare ignoriert

Denn bis jetzt hatten sich die Behörden in Bolivien geweigert, gleichgeschlechtliche Beziehungen anzuerkennen. Diese seien im nationalen Recht nicht vorgesehen, und in der Verfassung sei die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau verankert. Allerdings kennt das bolivianische Recht auch Lebenspartnerschaften, die Ehen größtenteils geleichgestellt sind – aber ebenfalls nur heterosexuellen Paaren offenstanden.

Aruquipa und Montaño waren deshalb bis vor das bolivianische Verfassungsgericht gezogen, um ihre Beziehung amtlich registrieren zu lassen – und gewannen. Der ablehnende Beschluss des Standesamtes aus dem Jahr 2018 wurde von den Höchstrichtern kassiert. Kurz darauf hat die Behörde bekanntgegeben, „die Registrierung der Eingetragenen Partnerschaft zwischen David Víctor Aruquipa Pérez und Guido Alvaro Montaño Durán zu arrangieren“.

Auch hier sichert das Machtwort des Verfassungsgerichts die Rechte sexueller Minderheiten

Die Richter beriefen sich bei ihrer Entscheidung auf eine Erklärung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), wonach die Mitgliedsstaaten verpflichtet seien, gleichgeschlechtliche familiäre Verbindungen anzuerkennen und zu schützen. Auch der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2018 eine Anerkennung homosexueller Paare gefordert.

„Das ist ein historischer Meilenstein“, freute sich der 48-jährige Betriebswirt Aruquipa, der seit elf Jahren mit dem drei Jahre jüngeren Rechtsanwalt Montaño zusammen ist. „Liebe ist Liebe, und deshalb ist ganz klar: Wenn diese Liebe Widerstand erfährt, wenn diese Liebe verletzt wird, dann muss man für sie kämpfen, das gilt für jedes Paar, auch für Homosexuelle“, sagte er bereits im August in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Vor zwölf Jahren haben sich die beiden Männer getroffen, ein Jahr später wurden sie ein Paar

Getroffen hat sich das Paar vor zwölf Jahren am Arbeitsplatz, einer Bildungseinrichtung in der Andenstadt La Páz. Sie freundeten sich an, bis sie merkten, dass zwischen ihnen mehr war als reine Freundschaft. Sie begannen eine Beziehung und erzählten auch ihrer Familie und ihren Freunden davon.

Der Präzedenzfall werde es „auch anderen gleichgeschlechtlichen Paaren erlauben, ihre Rechte ohne Diskriminierung auszuüben“, gab sich auch Cruz optimistisch. Die Mehrheit der Bolivianerinnen und Bolivianer weiß das Paar dabei hinter sich: Einer Umfrage aus dem Jahr 2017 zufolge sind 60 Prozent der Bevölkerung für eine komplette Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare. Nur 17 Prozent sind strikt dagegen.

Homosexualität ist in dem lateinamerikanischen Land seit 1832 legal. Seit einigen Jahren sind sexuelle Minderheiten in Bolivien gesetzlich vor Antidiskriminierung geschützt, Hassverbrechen gegen diese Gruppe werden auch schärfer bestraft. Seit 2016 können trans Personen nach Vorlage eines Gutachtens ihr Geschlecht amtlich anpassen lassen.