Queeres Jugendzentrum in Wien: Erste Gespräche im Frühjahr

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Wien soll ein queeres Jugendzentrum bekommen, am besten in einem Innenstadtbezirk. Das ist einer der Punkte, die die rot-pinke Rathauskoalition in den nächsten fünf Jahren umsetzen möchte. Kritik an dem Treffpunkt für homo-und transsexuelle Jugendliche kommt von der FPÖ.

Vizebürgermeister Wiederkehr bekräftigt den Willen der Stadt

„Das ist fix“, erklärte der für Integration zuständige Stadtrat und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr von den Neos der Tageszeitung Kurier. Auch SPÖ und Grüne stehen hinter dem Projekt, das zunächst von der HOSI Wien gefordert wurde. Denn: „Jugendliche, die ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität erst entdecken, sind oft besonders allein“, so Ann-Sophie Otte, Obfrau des Vereins.

Bereits vor der Wahl, im Juni, haben sich die drei Parteien im Gemeinderat auf eine neue gemeinsame Kinder- und Jugendstrategie geeinigt, die auch die Schaffung eines solchen Jugendzentrums beinhaltet. Außerdem beinhaltet die Strategie die Weiterbildung aller Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten – mit einem Fokus auf die Bedürfnisse von Kindern, die einer sexuellen Minderheit angehören.  

LGBTI-Jugendliche werden noch immer beschimpft

Denn homo- oder transfeindliche Beschimpfungen seien an Schulen noch immer an der Tagesordnung, „schwul“ ist noch immer ein beliebtes Schimpfwort. Das fühle sich jedes Mal „wie ein kleiner Schlag in die Magengrube“ an, sagt Felix Maier von der Jugendgruppe der HOSI Wien. Auch in den Familien würden die queeren Jugendlichen oft nicht akzeptiert.

„Das führt zu einer bis zu sechs Mal höheren Suizidgefährdung. Um das zu ändern, braucht es Profis“, so Otte. Bereits bestehende Angebote wie die Jugendgruppe der HOSI Wien, stoßen hier schnell an ihre Grenzen, „weil sie weitgehend ehrenamtlich getragen sind“, so HOSI-Sekretär Moritz Yvon zum Kurier.

HOSI Wien betont: Jugendzentrum muss in der Community verankert sein

Deshalb bräuchte es das Jugendzentrum mit hauptberuflichen Sozialpädagogen oder Psychologen, betont die HOSI Wien – die sich auch selbst als Projektpartner vorschlägt, um Glaubwürdigkeit unter den Jugendlichen zu gewährleisten. Im Juni betonte der Verein, wie wichtig es sei, dass das queere Jugendzentrum „unabhängig, selbstverwaltet und stark in der Community verankert“ sei.

Um den Standort gibt es schon erste Diskussionen: Klar ist, er soll zentral und mit den Öffis leicht erreichbar sein. Katharina Kacerovsky, Geschäftsführerin der zur HOSI gehörenden Stonewall GmbH, plädiert im Kurier für einen Platz im 4. Bezirk. Doch im Nachbarbezirk Margareten ist man schon etwas weiter. Dort haben die Neos im Bezirksrat eine Resolution eingebracht, dass das Jugendzentrum seine Heimat im 5. Bezirk haben soll.

Der 4. Bezirk hat sich als Ort für das Zentrum bereits in Stellung gebracht

Auf der Wieden, dem 4. Wiener Gemeindebezirk, befindet sich bereits das Zentrum der HOSI Wien mit dem „Gugg“ und zahlreichen Beratungsangeboen für sexuelle Minderheiten. In Mariahilf, dem 6. Bezirk auf der anderen Seite des Wienflusses, ist mit der „Türkis Rosa Lila Villa“ ebenfalls bereits ein LGBTI-Beratungszentrum, so die Argumentation. Sie wird auch von Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery von der SPÖ unterstützt.

Vizebürgermeister Wiederkehr bremst den Enthusiasmus etwas: Über Standort oder konkrete Kosten sei noch nicht geredet worden – das soll im Frühjahr passieren, dann will sich die Stadt auch mit der HOSI Wien an einen Tisch setzen. „Mir ist nur wichtig, das jetzt rasch auf den Weg zu bringen. Die Finanzierung ist jedenfalls sichergestellt“, so Wiederkehr.

Kritik am ersten queeren Jugendzentrum der Stadt kommt erwartungsgemäß von der FPÖ. Klubobmann Maximilian Krauss sieht darin „ein sinnloses linksideologisches Projekt“. In Zeiten der Krise solle mit Steuermitteln sparsamer umgegangen werden, so Krauss zum Kurier. Der ÖVP war das Vorhaben für einen Kommentar „zu unkonkret“.