Allzeithoch bei Syphilis-Infektionen in Deutschland

Fast 8.000 Neuinfektionen im letzten Jahr

Syphilis
CDC

Im Jahr 2019 haben sich in Deutschland 7889 Menschen mit Syphilis infiziert – rund sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Noch nie zuvor wurden mehr Fälle der Geschlechtskrankheit in unserem Nachbarland registriert. Am meisten Infektionen gab es in Berlin – und unter schwulen und bisexuellen Männern.

94 Prozent der Fälle betrafen Männer – viele davon schwul oder bisexuell

„Der Anstieg war so stark, dass die leicht rückläufige Entwicklung der Fallzahlen des Vorjahres nicht nur ausgeglichen wurde, sondern 2019 die höchste Anzahl von Syphilis-Infektionen seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes gemeldet wurden“, so das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin.

Die 2019 gemeldeten Fälle betrafen zu 94 Prozent Männer. Insgesamt steigt die Zahl der Syphilis-Infektionen seit 2010 – nur 2018 hat es einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr gegeben. Für das laufende Jahr wurden dem RKI bis Anfang Dezember rund 6.400 Diagnosen gemeldet.

Friedrichshain-Kreuzberg: Fast zehn Mal mehr Infektionen als der Bundesschnitt

Deutlich über dem Bundesschnitt von 9,5 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In Berlin wurden 39,7 Fälle pro 100.000 Einwohnern gemeldet, hier stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 22,5 Prozent. Einsamer Spitzenreiter ist der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit 93 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Allgemein beobachtet das RKI eine vergleichsweite starke Verbreitung in Städten, darunter auch Köln, München und Frankfurt am Main. Allerdings würden auch aus ländlichen Regionen Infektionen „in relevanter Zahl“ gemeldet, heißt es.

Mehr entdeckte Fälle durch PrEP-Untersuchungen?

Dass sich 2019 fast 8000 Menschen in Deutschland mit Syphilis angesteckt hätten, unterstreiche die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung. Nur so können Infektionsketten möglichst früh unterbrochen werden. Eine deutliche Zahl an Fällen wird auch bei Routinekontrollen entdeckt, die Nutzer der HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) oder HIV-Positive regelmäßig machen.

Syphilis ist eine Erkrankung, die durch Bakterien verursacht wird. Sie kommt nur beim Menschen vor und ist beim Sex, durch Blut oder während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragbar. Durch Antibiotika kann Syphilis recht einfach geheilt werden. Unbehandelt drohen allerdings langfristige Schäden an Gehirn und Blutgefäßen. In Deutschland ist die Übertragung beim Sex am häufigsten. Kondome können das Risiko einer Ansteckung senken.