LSVD Berlin: Männliche Doppelspitze sorgt für Kritik

Pressefoto in Drag sorgt für Verstörung in der politischen Community

Alexander Scheld und Christopher Schreiber
LSVD Berlin-Brandenburg

In den letzten Jahren war Jörg Steinert, der langjährige Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Berlin-Brandenburg, immer wieder in die Kritik geraten – doch auch mit der Nachfolgeregelung hat sich der Verband nicht nur Freunde gemacht.

Eigentlich sollte die neue Geschäftsführung für Ruhe sorgen

Ob ein gemeinsames Foto mit dem Trump-treuen US-Botschafter Richard Grenell oder der Formulierung zur Änderung von Artikel 3 des Grundgesetzes – Steinert sorgte in der hochpolitisierten Berliner Polit-Community immer wieder für Aufregung. Nach zehn Jahren hat er seinen Posten an der Spitze des LSVD Berlin-Brandenburg zurückgelegt.

Wie in vielen anderen LGBTI-Vereinen gibt es nun auch beim LSVD Berlin-Brandenburg eine Doppelspitze. Doch während diese normalerweise aus einem Mann und einer Frau besteht, um die Diversität der Einrichtung zu unterstreichen, leiten den LSVD Berlin-Brandenburg mit Alexander Scheld und Christopher Schreiber nun zwei Männer.

Die beiden neuen Geschäftsführer bringen reichlich Erfahrung mit

Beide waren bereits zuvor hauptamtliche Mitarbeiter des LSVD-Landesverbandes. Scheld ist für den Bereich Organisation und Personal, Schreiber für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Entscheidung wurde bereits Ende November bekannt.

Als Mitarbeiter im Bereich Regenbogenfamilien koordinierte Scheld seit Juli 2019 die Rechtsberatungen des Regenbogenfamilienzentrums. Der Ausbau der Ehrenamtsangebote und die weitere Professionalisierung der Social-Media-Präsenz werden besondere Schwerpunkte seiner Arbeit bilden, genauso wie der Ausbau von Kooperationen zu anderen Vereinen und Initiativen der Berliner Community.

Schreiber begann seine Tätigkeit beim LSVD Berlin-Brandenburg im September 2017 als Mitarbeiter im Projekt „Bündnis gegen Homophobie“. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Weiterentwicklung und die Vertiefung der sozialen Angebote als auch die politischen Aktivitäten und die Öffentlichkeitsarbeit.

Zwei Männer: Nicht gerade ein Signal für Diversität

„Mit Alexander und Christopher haben unsere hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und wir als Vorstand ab 2021 zwei starke Führungskräfte an der Seite, um die rechtliche, kulturelle und soziale Lebenssituation von LSBTI* in unserer Stadt weiterhin nachhaltig zu verbessern“, heißt es in der Pressemitteilung des LSVD Berlin-Brandenburg.

Gemeinsam wolle man „die Berliner LSBTI*-Community nach innen und außen stärken und ihr eine starke zivilgesellschaftliche Stimme geben“, heißt es weiter. Doch die einzigen Stimmen, die Scheld und Schreiber bis jetzt aktivieren konnten, waren kritische. Denn zwei schwule Cis-Männer seien nicht gerade ein Signal der Diversität, heißt es in Berlin.

Und auch der Versuch, dieses Manko der neuen Doppelspitze zu kaschieren, sorgt in der Berliner Community eher für Kopfschütteln: Denn auf dem offiziellen Pressebild der neuen Geschäftsführung posiert Scheid in Drag – was in Sozialen Medien eher mit Befremden aufgenommen wurde.