Nina Queer: Der Versuch, einen Ruf zu retten, den sie nie hatte

Wie sich die Entertainerin in immer mehr Probleme redet

Nina Queer
privat

Eigentlich sollte die Berliner Drag-Queen Nina Queer am Freitag in den RTL-Dschungel einziehen, der dieses Jahr coronabedingt in Köln aufgebaut wurde. Doch dann erinnerte die ehemalige Dschungelkönigin und Queer-Intimfeindin Désirée Nick den Sender öffentlichkeitswirksam daran, dass sich die Drag-Queen in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel als „Hitler-Transe“ bezeichnete. Schnell flog sie aus der Sendung, bevor diese begonnen hatte. Jetzt schlägt Nina Queer publizistisch um sich – und nimmt es dabei auch mit der Wahrheit nicht so genau.

„Meine Aussage wurde aus dem Kontext gerissen“

„Ich bin enttäuscht, dass man ohne Recherche oder Gespräch mit mir diese Entscheidung getroffen hat. Denn nicht nur die Vorwürfe sind falsch, auch ist meine Aussage aus dem Kontext gerissen“, betonte die aus Kärnten stammende Nina Queer in einer ersten Stellungnahme. Sie beschuldigte Désirée Nick, sie gegenüber RTL via Instagram als „selbsternannte Hitler-Transe“ und „Rassistin“ verunglimpft zu haben. Queer drohte Nick in diesem Zusammenhang auch Post von ihrem Anwalt an.

Doch Désirée Nick legte noch einmal nach – und veröffentlichte am Montagabend ein Facebook-Posting mit mehreren früheren Aussagen von Nina Queer. So schrieb die Berliner Drag-Queen unter anderem zu einem Bild, das sie gemeinsam mit dem Sänger Roberto Blanco zeigt, in ihrer „Frauengruppe muss jedes Mitglied mindestens einmal mit einem N**** geschlafen haben, um den (sic!) Vorwurf des Rassismus wirkungsvoll entgegen zu treten“. „Ganz frei nach dem Motto alle guten Dinge sind drei, holt sich RTL nach Aluhut-Xavier, dem Holocaust Verharmloser Michael Wendler nun Sex- und Rassistin Nina Queer ins Haus“, schrieb Nick dazu.

Nina Queer sieht sich als Opfer der „Cancel Culture“

Daraufhin versuchte Nina Queer noch beherzter, einen Ruf zu retten, den sie nie hatte. Mit Michael Wendler in einen Topf geworfen zu werden, sei „nicht nur unfair, sondern grob falsch“, schrieb sie am Dienstag auf Facebook. Der Schlagersänger war aus der DSDS-Jury geschnitten worden, nachdem er die Corona-Beschränkungen als „KZ Deutschland“ bezeichnet hatte. Sie könne nicht anders, als sich „auch als Betroffene der immer weiter um sich greifenden Cancel-Culture zu sehen“, schrieb sie. Dieser Begriff wird vor allem von Rechtspopulisten verwendet, die in Ausladungen ihrer Favoriten eine Zensur sehen.

Weiters behauptete Nina Queer, jene Äußerung, die zum Rausschmiss aus der Dschungelshow führte, sei ihr in den Mund gelegt worden. „Ich wurde dann vom Redakteur gefragt, ob es mich denn nicht stören würde, wenn ich als ‚Hitler-Transe‘ dargestellt werde. Darauf habe ich geantwortet: ‚dann bin ich eben die erste Hitler-Transe, dann nehme ich das so hin‘“, schrieb die Künstlerin am Dienstag. Die Aussage sei ‚hart, aber klar satirisch‘ gewesen.

Die Argumentation von Nina Queer konnte durch einen Mitschnitt widerlegt werden

Diese Darstellung weist der Tagesspiegel allerdings zurück – und zwar belegbar: Denn das Interview wurde aufgezeichnet – und der anerkannte Blogger Johannes Kram hatte die Gelegenheit, sich den entsprechenden Abschnitt anzuhören. „Das im Tagesspiegel veröffentlichte Zitat ‚Dann bin ich eben die erste Hitler-Transe, die es gibt‘ ist so gefallen. Es ist nicht aus dem Kontext gerissen. Es ist nicht die Erwiderung auf einen Einwand des Redakteurs sondern Teil ihrer Rechtfertigung des Posts, in dem sie ihre Forderung nach Abschiebung in Kriegsgebiete verteidigt“, so Kram in seinem Nollendorfblog.

Die Drag Queen „belügt ihre Fans und verniedlicht ihren Rassismus“, so Kram weiter. Auch der Tagesspiegel stellte klar, dass es Nina Queer gewesen sei, „die von sich aus den Begriff als Selbstbezeichnung in dem Gespräch gewählt hat – ganz so, wie von Sebastian Goddemeier in seinem Text beschrieben wurde“. Der Verlag bitte die Künstlerin ihre „Behauptung nicht mehr zu verbreiten und sie von ihren Profilen in den sozialen Medien zu löschen“. Das hat Nina Queer mittlerweile auch getan – und den entsprechenden Abschnitt ihres Facebook-Postings gelöscht.