#actout – 185 Schauspielstars outen sich

SZ-Magazin
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Insgesamt 185 schwule, lesbische, bisexuelle, trans queere und nicht-binäre Schauspieler:innen outen sich in der aktuellen Ausgabe des Süddeutsche Zeitung Magazins. Mit der Initiative „#actout“ und einem gemeinsamen Manifest wollen sie eine Debatte über mehr Anerkennung queerer Schauspieler:innen in Film, Theater und Fernsehen anstoßen.

„Bisher konnten wir mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne Konsequenzen zu fürchten“

Zu den Unterzeichner:innen gehören unter anderem Mavie Hörbiger, Ulrich Matthes, Godehard Giese, Mark Waschke, Maren Kroymann, Karin Hanczewski und Jaecki Schwarz. „Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten“, so die Schauspieler:innen.

Es geht dabei um mehr als nur eine Titelgeschichte – das wird nicht nur durch das Manifest klar. Die Unterzeichner:innen wollen die Arbeitsbedingungen für queere Schauspieler:innen dauerhaft ändern, Sichtbarkeit schaffen und eine gesellschaftliche Debatte anstoßen.

Die Unterzeichner:innen wollen mit ihrer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit sichtbar sein

Sechs Unterzeichner:innen des Manifests sprechen in einem Interview mit Carolin Emcke, die bereits das Coming Out des Fußballers Thomas Hitzelsperger publizistisch begleitet hatte, und Lara Fritzsche über ihre Erfahrungen. Sie fordern die Gesellschaft und die Filmbranche dazu auf, Diversität stärker sichtbar zu machen. 

Godehard Giese, bekannt aus „Babylon Berlin“, sagt, dass alle Schauspieler:innen, die bei der Aktion mitmachten, ihr Coming Out in irgendeinem Lebensbereich schon hinter sich hätten – „aber wir sind mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm.“

Kein Outing, bevor man „den Fuß richtig in der Branche“ hat

Karin Henczewski, die im Dresdner „Tatort“ spielt, erinnert sich, dass ihr immer gesagt wurde, sie solle sich nicht öffentlich outen, bevor sie nicht „den Fuß richtig in der Branche habe“. „Ich hatte immer den utopischen Wunsch, dass es, wenn ich mich mal oute, eine politisch-gesellschaftliche Relevanz hat. Als Einzelperson müsste ich schon wahnsinnig bekannt sein, damit das irgendwas verändert“, so die Schauspielerin. Das könnte durch das Outing in der Gruppe geschehen.

Dabei sehen sie ihre Rolle in der Gesellschaft durchaus kritisch: „Ich meine längst, dass ich Teil einer offenen, diversen Gesellschaft bin, aber dazu gehört eben auch, dass Minderheiten sichtbar sind. Und wenn ich daran zurückdenke, was mir als Jugendlichem gefehlt hat, um damit vielleicht früher freier umgehen zu können, dann wären das Schauspieler:innen gewesen, die zeigen, dass sie offen leben“, so „Preis der Freiheit“-Darsteller Jonathan Berlin im Interview mit dem SZ Magazin.

Viele Schauspieler:innen zeigen ihre sexuelle Identität zum ersten Mal

Einige der 185 Teilnehmer:innen der Aktion „#actout“ im SZ Magazin gehen zwar schon lange mit ihrer Homo- und Transsexualität offen um, etwa Maren Kroymann, Georg Uecker, Ulrike Folkerts Brix Schaumburg oder Jaecki Schwarz. Doch das Magazin zeigt auch viele neue Gesichter, „in der Branche Etablierte und nicht Etablierte“, wie es im Manifest heißt, und mit ihnen eine gemeinsame Botschaft.

„Noch zu oft haben viele von uns die Erfahrung gemacht, dass ihnen geraten wurde – sei es von Agent:innen, Caster:innen, Kolleg:innen, Produzent:innen, Redakteur:innen, Regisseur:innen usw. – die eigene sexuelle Orientierung, Identität sowie Gender geheimzuhalten, um unsere Karrieren nicht zu gefährden“, heißt es im Manifest, das über eine eigene Webseite zu lesen ist.

Nun müsse Schluss mit der Behauptung sein, „dass, wenn wir gewisse Facetten unserer Identität, nämlich unsere sexuelle sowie Geschlechtsidentität offenlegten, wir mit einem Mal bestimmte Figuren und Beziehungen nicht mehr darstellen könnten“, fordern die Schauspieler:innen. Denn: „Wir sind Schauspieler:innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf.“