Home News Chronik Islamisten-Mord an schwulem Paar in Dresden: Tatmotiv Homo-Hass

Islamisten-Mord an schwulem Paar in Dresden: Tatmotiv Homo-Hass

Bundesanwaltschaft: Täter wollte Paar "als besonders verachtenswerten Teil der westlichen Gesellschaft auslöschen"

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Es war am Abend des 4. Oktober, als Abdullah Al H. H. in Dresden ein schwules Paar mit einem Messer angegriffen haben soll. Einer der beiden Männer überlebte den Anschlag nicht, der zweite wurde schwer verletzt. Wie der Spiegel und die taz berichten, wird der Generalbundesanwalt Anklage gegen den 21-jährigen Syrer erheben – und macht klar, dass der Verdächtige die Tat der Behörde zufolge auch aus Schwulenhass begangen habe.

Die beiden Touristen waren in der Altstadt unterwegs, als der Täter plötzlich zustach

Die beiden Männer aus Nordrhein-Westfalen waren gerade in der Dresdner Altstadt als Touristen unterwegs, als der Täter ohne Vorwarnung auf das Paar einstach. Ein 53-jähriger Mann aus Köln überlebte schwer verletzt, sein zwei Jahre älterer Partner starb kurz darauf in der Dresdner Universitätsklinik.

Die Ermittler werfen Abdullah Al H. H. nun Mord und versuchten Mord aus islamistischen und homosexuellenfeindlichen Motiven vor, berichtet der Spiegel unter Berufung auf sächsische Justizkreise. Der 21-Jährige habe die Männer als Paar erkannt und „aus seiner islamistischen Gesinnung heraus, als besonders verachtenswerten Teil der westlichen Gesellschaft auslöschen wollen“, zitiert die taz ihre Quellen. Die Bundesanwaltschaft wollte sich nicht äußern.

Treffen die Informationen zu, wäre das ein deutliches Zeichen: Denn dass Hass auf Homosexuelle bei der Tat eine Rolle spielen könnte, war von Medien und Ermittlern lange nicht beachtet worden. Der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt antwortete etwa bei einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage, dass man sich „zur sexuellen Orientierung von Tatopfern“ nicht äußere.

Schwulenhass wird jetzt als mögliches Motiv explizit benannt

Das wurde unter anderem von deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisiert. Nun wird dieses Motiv in der Anklage explizit benannt. „Es ist zu begrüßen, dass Homosexuellenfeindlichkeit als Tatmotiv explizit benannt wird. Denn damit wird der Angriff klar als Hasskriminalität erkenntlich und erfasst“, so ein Sprecher des LSVD.

Nach Informationen des Spiegels wäre es der erste Mordanschlag eines Islamisten aus Hass auf Homosexuelle, der in Deutschland auch so benannt verhandelt wird. Der Angeklagte soll seinen Hass auf Homosexuelle bereits vor der Tat in Chats offenbart haben. Der Prozess soll vor dem Oberlandesgericht Dresden stattfinden.

War die Tat das Resultat aus dem Versagen sächsischer Behörden?

Abdullah Al H. H. wurde erst fünf Tage vor dem Attentat aus der Haft entlassen. Der IS-Anhänger war drei Jahre in Haft, nachdem er einen Sprengstoffanschlag in Dresden geplant hatte. Die sächsischen Behörden führten den 21-Jährigen auch weiter als Gefährder und gingen sogar davon aus, dass von ihm weiter ein hohes Sicherheitsrisiko ausgeht – er wurde sogar zeitweise observiert.

Trotzdem konnte er mehrere Messer kaufen und auf das schwule Paar aus Nordrhein-Westfalen einstechen, so die Bundesanwaltschaft. Festgenommen wurde er erst 16 Tage später – Ermittler fanden am Schuh des Opfers die DNA des syrischen Islamisten. Der schweigt übrigens zum Motiv für den Anschlag bis heute.

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