Fürst Hans-Adam II.: „Wenn Homosexuelle Knaben adoptieren, ist das nicht unproblematisch“

Aussagen des Liechtensteiner Staatsoberhauptes sorgen für Unverständnis

Symbolbild: Regenbogenfamilie
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Verstörende Aussagen kommen aus Liechtenstein: In einem Interview hat Fürst Hans-Adam II. Homosexuelle pauschal als Gefahr für Kinder bezeichnet. Gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in dem kleinen Fürstentum zwischen Vorarlberg und der Schweiz hätte der Monarch grundsätzlich nichts – solange nicht auch die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden würde.

Kinder hätten das Recht, in einer „normalen Familie“ aufzuwachsen, so der Landesfürst

Denn Kinder hätten das Recht, in einer „normalen Familie“ aufzuwachsen, so Hans-Adam II. in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Radio Liechtenstein. Denn: „Wenn zwei Homosexuelle irgendwelche Knaben adoptieren, ist das nicht unproblematisch“, verbreitet der 76-Jährige homophobe Vorurteile.

Während Österreich die Ehe schon 2017 durch ein Höchstgerichtsurteil geöffnet hatte und auch in der Schweiz eine solche Öffnung kurz bevorsteht, gibt es im Fürstentum Liechtenstein bis jetzt noch keine Mehrheit dafür. Das könnte sich ändern, weil sich über 80 Prozent der Landtagskandidaten vor der Parlamentswahl am 7. Februar für eine Öffnung der Ehe ausgesprochen haben. Nach der Wahl liegen die beiden konservativen Volksparteien, Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) und die Vaterländische Union (VU), wieder voran. Sie hatten schon in der letzten Legislaturperiode zusammen koaliert.

Bei einem entsprechenden Gesetz droht der Fürst mit einem Veto

In dem Interview drohte der Fürst, der die Amtsgeschäfte 2004 an seinen Sohn Alois abgegeben hatte, dieser würde ein Veto gegen die Öffnung der Ehe einlegen, wenn diese nicht nach den Wünschen der Fürstenfamilie erfolge. „Ich würde davon ausgehen, dass er sein Veto einlegen würde, falls es überhaupt zu einem Mehrheitsbeschluss kommen würde“, so Hans-Adam. In Liechtenstein hat der Fürst noch immer das Recht, Gesetze nach Gütdünken abzulehnen.

In der Liechtensteiner Community sorgen die aktuellen Aussagen deshalb erneut für Empörung. Er sei „sprachlos“, so Lukas Oehri von Flay Liechtenstein, die erste LGBTI-Organisation des Fürstentums, gegenüber Radio Liechtenstein. Als schwuler Vater habe er sich „persönlich angegriffen gefühlt“, so Oehri weiter.

Die Äußerungen des Fürsten machen die Liechtensteiner Community „sprachlos“

„Es scheint dem Fürsten also nichts auszumachen, wenn Liechtenstein in puncto Gleichstellung in Westeuropa bald den letzten Exoten spielt, der sich der Realität verwehrt“, ärgern sich die Aktivist:innen von Flay Liechtenstein: „Schade – ein wenig mehr Offenheit und Aufgeklärtheit würde man sich von einem Staatsoberhaupt schon wünschen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Fürst Hans-Adam II. Rechte für gleichgeschlechtliche Paare mit potenziellem Kindesmissbrauch verknüpft. Vor fünf Jahren sagte er, ebenfalls in einem Interview mit Radio Liechtenstein: „Man prüft ja sehr genau, ob eine Adoption im Interesse des Kindes ist und wenn ich dann mir vorstelle, dass da zwei homosexuelle Männer irgendwelche Knaben adoptieren – womöglich auch noch aus Entwicklungsländern – dann muss man wirklich sagen, das ist verantwortungslos, wenn man das zulässt.“

Wenn es um LGBTI-Rechte geht, ist Liechtenstein europaweit ein absoluter Nachzügler: Bis 1989 gab es noch ein komplettes Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen. Zumindest wurde 2011 die Eingetragene Partnerschaft für schwule und lesbische Paare eingeführt.