Britischer Geheimdienst MI6 entschuldigt sich für LGBTI-Verbot

Bis vor 30 Jahren waren Angehörige sexueller Minderheiten von der Arbeit im Geheimdienst ausgeschlossen

Zentrale des MI6
Laurie Nevay - CC BY-SA 2.0

Der britische Auslandsgeheimdienst MI6 entschuldigt sich für seinen Umgang mit Homosexuellen in der Vergangenheit: Bis vor 30 Jahren durften die Angehörigen sexueller Minderheiten nicht für den Geheimdienst arbeiten – ein schwerer Fehler, macht der neue MI6-Chef Richard Moore nun in einer Videobotschaft anlässlich des LGBT History Months klar.

Ausschluss von sexuellen Minderheiten war „falsch, ungerecht und diskriminierend“

„Wegen dieser Richtlinie mussten andere loyale und patriotische Menschen ihre Träume, ihrem Land im MI6 zu dienen, aufgeben. Das war falsch, ungerecht und diskriminierend“, spricht Moore in dem Video, das am Freitag veröffentlicht wurde, Klartext. 

Bereits im Jahr 1967 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Männern in England und Wales entkriminalisiert worden, Schottland und Nordirland folgten erst Anfang der 1980er Jahre. Die Geheimdienste zogen allerdings erst 1991 nach, die britischen Streitkräfte sogar erst im Jahr 2000. Dass auch nach 1991 Lesben und Schwule im MI6 wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt wurden, sei „ebenfalls inakzeptabel“, so der Geheimdienstchef.

Aus Angst vor Skandalen oder Erpressbarkeit blieben die Türen des MI6 für LGBTI geschlossen

Der Ausschluss gleichgeschlechtlich liebender Menschen vom MI6 und seinem Inlands-Zwilling MI5 bis zum Jahr 1991 lag an einer Reihe von Skandalen während des Kalten Krieges und der Angst, schwule, lesbische oder bisexuelle Agent:innen seien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung leichter zu erpressen.

Allerdings sei es eine „fehlgeleitete“ Überzeugung gewesen, dass Angehörige sexueller Minderheiten anfälliger für Erpressungen seien, so der MI6-Chef heute: „LGBT+ zu sein bedeutet nicht, dass die Menschen eine Gefahr für die nationale Sicherheit sind. Natürlich nicht“, so Moore in dem Video. Durch diese Annahme hätten sich Geheimdienste und Diplomatie selbst einiger der besten Talente des Landes beraubt.

Heute geht es im Geheimdienst um Vielfalt und Inklusion

Moore betonte in seiner Rede die Fortschritte, die der Auslandsgeheimdienst seit 1991 gemacht hatte, wenn es um Vielfalt und Inklusion geht. Er dankte seinen queeren Kollegen für ihre Aufklärungsarbeit und ihren Kampf für Veränderungen. Der MI6 sei heute offen für Menschen jeden Alters, sowie jeder Herkunft, Rasse, Sexualität und Denkweise: „Wir haben noch mehr zu tun, um ein vollständig inklusiver Arbeitgeber zu werden, und mein Ziel für den MI6 ist es, ihn zu einem Arbeitsplatz zu machen, an dem man immer sein wahres Ich zur Arbeit mitbringen kann“, so der MI6-Chef.

Erst vor kurzem hatte das britische Verteidigungsministerium Veteran:innen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung aus dem Dienst entlassen wurden, mitgeteilt, dass sie die Rückgabe ihrer Orden beantragen könnten. Damit sollte „historisches Unrecht“ wiedergutgemacht werden. Lesben, Schwulen und Bisexuellen war es bis zum Jahr 2000 nicht erlaubt, in den britischen Streitkräften zu dienen.

Letztes Jahr hatte sich bereits der Inlandsgeheimdienst MI5 öffentlich dafür entschuldigt, wie er in der Vergangenheit Angehörige sexueller Minderheiten behandelt hatte. Seine Lektionen dürfte der Geheimdienst auf jeden Fall gelernt haben: Im Jahr 2016 hat die britische LGBTI-Organisation Stonewall den MI5 als LGBT-freundlichsten Arbeitgeber ausgezeichnet.