Drei Jugendliche ermorden Schwulen: Tat erschüttert Belgien

Die Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren stellten dem Mann eine Falle

Polizei Flandern
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Am Samstag hat ein Radfahrer in einem Park in Beveren, einer Stadt in der Nähe von Antwerpen, einen 42-Jährigen tot aufgefunden. Der Mann wurde verprügelt und erstochen – vermutlich nur, weil er schwul war. Mittlerweile sind drei tatverdächtige Jugendliche in Haft.

Über eine Dating-App wurde das Opfer in einen Park gelockt

Bisherigen Erkenntnissen zufolge wurde das spätere Opfer David Polfliet mit Hilfe einer Gay-Dating-App in den Park gelockt. Als er ahnungslos auf sein Date wartete, sollen ihn drei Burschen im Alter von 16 und 17 Jahren zunächst bedroht und Geld verlangt haben. Als er sich weigerte, soll sich eine Schlägerei entwickelt haben.

Plötzlich soll einer der Verdächtigen ein Messer gezückt und auf Polfliet eingestochen haben. Er überlebte diesen Angriff nicht. Obwohl es keine Zeug:innen für die Tat gab, konnte die Polizei die Verdächtigen schnell identifizieren.

Polfliet war ein Student aus einem Ort in der Nähe von Sint-Niklaas, der offen schwul lebte und Medienberichten zufolge einen großen Freundeskreis hatte. Am Sonntag wurde der 42-Jährige obduziert. Hierbei wurden der gewaltsame Tod durch das Messer und die heftigen Verletzungen durch Schläge bestätigt.

Die Verdächtigen stellten sich selbst bei der Polizei

Am Montag hatte sich der erste Verdächtige, ein 17-Jähriger aus Antwerpen, der Polizei gestellt. Gestern folgten ein 17-Jähriger und ein 16 Jahre alter Bursche aus Beveren. Sie wurden in ein Jugendgefängnis gebracht. Nun werden sie unter Beisein ihrer Rechtsvertretung befragt. 

Nach Informationen des belgischen Rundfunks VRT wird gegen die Verdächtigen bereits wegen zwei weiteren Raubüberfällen auf schwule Männer ermittelt. Wie die Zeitung De Standaard berichtet, ist zumindest einer der Jugendlichen Teil einer Gruppe von „Gay Bashers“: Sie locken schwule Männer über Gay-Dating-Plattformen an, um sie dann anzugreifen und zu überfallen. 

Den Verdächtigen droht ein Prozess nach Erwachsenenstrafrecht

Dass Schwulenhass das Tatmotiv war, möchte die zuständige Staatsanwaltschaft für Ostflandern derzeit nicht bestätigen. Es werde noch in alle Richtungen ermittelt, heißt es. Sollte es sich um Mord aus Schwulenhass handeln, kann das Jugendgericht den Fall an ein reguläres Strafgericht abgeben. Dann würden die Burschen nach dem Erwachsenenstrafrecht behandelt werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Mord aus Schwulenhass Belgien erschüttert: Im Jahr 2012 wurde Ihsane Jarfi in Lüttich aus dem gleichen Grund von vier Männern ermordet. Die Leiche des 32-Jährigen wurde Tage nach seinem Verschwinden mit Verletzungen übersät auf einem Feld gefunden.

Schock und Entsetzen über die Tat in der belgischen Politik

Die belgische Politik ist über die Tat entsetzt: Ministerpräsident Alexander De Croo hat auf Twitter geschrieben, er sei „geschockt“ über den Schwulenhass in Beveren. Auf seinem Amtssitz hat De Croo die Regenbogenflagge hissen lassen. „Kein Platz für Hass in unserem Land. Love wins“, schrieb er dazu.

https://twitter.com/alexanderdecroo/status/1369204293195210753

Innenministerin Annelies Verlinden machte auf Twitter klar, dass es „in einer reifen Gesellschaft“ wie der belgischen keinen Platz für homophobe Gewalt gebe. „Keine Stimme gegen den Mord in Beveren kann laut genug sein“, twitterte auch Energieministerin Tinne Van der Straeten: „Extremer Hass, der zum Tod führt – weil man als Mann Männer liebt.“

Vize-Premierministerin Petra De Sutter, eine trans Politikerin, fragte: „Was treibt Menschen so weit in ihrem Hass, dass sie einen Mann töten, nur weil er andere Männer mag?“ Auch der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close zeigte sich bestürzt. Am Rathaus der belgischen Hauptstadt wurde am Dienstag eine Regenbogenflagge auf halbmast gesetzt, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet.