Österreich zählt jetzt Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten

Die Polizei möchte damit auch das Vertrauen in der Community stärken

Polizei Österreich
Adobe Stock

Es war in den Morgenstunden nach der Regenbogenparade 2019, als drei junge Männer, Anfang zwanzig, sich nach der After-Party noch in einem Schnellrestaurant stärken wollten. Dass sie noch in ihrem Paradenoutfit waren, störte einen 35-Jährigen offenbar so sehr, dass er die Burschen zuerst beschimpfte, dann vor ihnen auf den Boden spuckte und drohte, sie niederzuschlagen und in die Hoden zu treten.

Seit 1. November 2020 werden die Hassverbrechen für die Kriminalstatistik gezählt

Fälle wie dieser passieren in Österreich immer wieder. Doch wie oft sie geschehen und wer sie verübt, weiß derzeit keiner. Denn eine Zählung homo- und transphober Hassverbrechen gab es lange nicht. Doch seit 1. November 2020 ist das anders: Wie das Ö1-Morgenjournal heute berichtet, werden Straftaten, die im Zusammenhang mit der Diskriminierung sexueller Minderheiten stehen, in der Kriminalstatistik gesondert erfasst. 

Außerdem wurden im Rahmen eines EU-Projekts zur „systematischen Erfassung von Vorurteilsmotiven bei Strafanzeigen“ bis jetzt mehr als 22.000 Exekutivbedienstete in dieser Thematik geschult. Das Projekt, das von Juli 2019 bis Juni 2021 läuft, soll die Polizei dabei unterstützen, Hassverbrechen umfassend zu erfassen. 

„Langjährige Forderung der Community wird umgesetzt“

„Eine langjährige und wichtige Forderung der queeren Community sowie Verpflichtung der OSZE-Staaten zwecks besseren Menschenrechtsschutzes wird damit endlich umgesetzt“, freut sich die Grüne Menschenrechts- und LGBTIQ-Sprecherin Ewa Ernst Dziedzic, die auch selbst im Parlament für diese Statistik gekämpft hat. Denn wie die aktuelle Statistik der EU-Grundrechteagentur FRA zeigt, ist in Österreich fast jede zehnte LGBTI-Person von Hassverbrechen betroffen.

Zur Polizei trauen sich aber nur die wenigsten, selten wird Anzeige erstattet. Die meisten Fälle bleiben im Dunkeln. Das zeigt die Statistik in Städten wie Berlin, wo LGBTI-feindliche Hassverbrechen seit Jahren gezählt werden und es bei Polizei und Staatsanwaltschaft auch entsprechende Ansprechpersonen haben. Nur langsam steigt die Zahl der Anzeigen, doch verglichen mit den Fällen, die Anti-Gewalt-Projekten wie Maneo gemeldet werden, sind sie immer noch gering.

„Hier halten wir dagegen und schaffen mit gezielten Polizei-Schulungen Bewusstsein und Sensibilisierung. Durch die Auswertung und Erfassung können auch besser konkrete Gegenmaßnahmen gesetzt werden“, so Ernst-Dziedzic. Denn: „Jedes einzelne Gewaltverbrechen ist eines zu viel.“