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Regenbogenflaggen an zwei katholischen Kirchen in Wien

Kritik am Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare von Vorarlberg bis Wien

Pfarrkirche Wien-Breitenfeld
Pfarrkirche Wien-Breitenfeld

Die Entscheidung des Vatikans, die Segnung schwuler und lesbischer Paare zu verbieten, sorgt auch in Österreich für Unmut. Die vom Priester Helmut Schüller geleitete Pfarrer-Initiative hat bereits angekündigt, sich nicht an die Richtlinie aus Rom halten zu wollen. Und auch in den Diözesen selbst wird der Spruch der Glaubenskongregation kritisiert.

Von einer der „Gürtel-Kirchen“ hängt eine Regenbogenflagge

In Wien haben etwa aus Protest zwei Pfarren an ihren Kirchen Regenbogenflaggen gehisst. Seit Mittwoch hängt die bunte Fahne über dem Südeingang der Pfarrkirche Breitenfeld in der Josefstadt, gut sichtbar am Wiener Gürtel und der U6-Strecke, und auch an der Pfarrkirche St. Elisabeth auf der Wieden wehen die sechs bekannten Farben.

„Die Vielfalt der Menschen, die bei uns leben und sich in der Pfarre engagieren, schließt auch die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten ein. Als Pfarre heißen wir daher ausdrücklich LGBTIQ*-Personen willkommen. Jede und jeder soll sich in unserer Pfarre heimisch fühlen dürfen“, erklären der Breitenfelder Pfarrmoderator Gregor Jansen und das Pfarrleitungsteam in einer Erklärung.

Linzer Bischof distanziert sich von „jeder diskriminierenden Ausgrenzung“

Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer hat in diesem Zusammenhang eine “intensive Auseinandersetzung und theologische Reflexion” zu dem Thema gefordert. Er warnt: Ein Machtwort ohne diesen Lernprozess werde “den grundsätzlich intendierten Weg der Liebe und der Wertschätzung verfehlen”.

In der aktuellen Debatte wirke auch „die allzu lange Geschichte liebloser, oberflächlicher und gehässiger Verurteilungen“ nach, so der Linzer Bischof. Scheuer distanzierte sich gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur kathpress „ganz klar von jeder diskriminierenden Beurteilung und Ausgrenzung von Menschen“.

Die diözesane Fachstelle für Beziehung, Ehe und Familie in Linz kündigte unterdessen an, Menschen, „die ihre Beziehung unter Gottes Segen stellen wollen“, weiter zu unterstützen. Man wolle „gemeinsam mit Seelsorgenden auch Segensfeiern ermöglichen“, so Josef Lugmayr, der Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese.

Vorarlberger Bischof: „Niemand steht es zu, über die Lebensform anderer zu urteilen“

Auch der Vorarlberger Bischof Benno Elbs siehtz das Verbot des Vatikans, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, kritisch. „Die Katholische Kirche in Vorarlberg und ich stehen für eine Kirche, in der alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung einen Platz haben“, so der Bischof.

Er halte eine Neupositionierung der Kirche zu dem gesamten Thema für notwendig, so Elbs weiter. „Kirche ist Heimat für alle Menschen. Niemandem von uns steht es zu, über die Lebensform anderer zu urteilen“, betonte der Bischof der Diözese Feldkirch. Er habe Verständnis dafür, dass besonders die junge Generation den Text der Glaubenskongregation als Ernüchterung empfindet, die ihre Entfremdung von der Kirche zu verstärken droht.