Dienstag, 28. Mai 2024
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Wegen Regenbogenflagge: Polizei in Istanbul verhaftet Studierende

Zwölf Festnahmen an der Boğaziçi-Universität

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Weil während eines Protestmarsches am Campus der renommierten Boğaziçi-Universität in Istanbul auch Regenbogenflaggen gezeigt wurden, hat die Polizei am Donnerstag zwölf Menschen festgenommen. Die Polizei habe sich an den Flaggen gestört und den Demonstrant:innen untersagt, diese zu zeigen. Später gab es weitere Festnahmen bei einem Solidaritäts-Protest außerhalb des Universitätscampus. Die Verhaftungen seien „unrechtmäßig“, so Studierendenvertreter:innen.

Die Studierenden solidarisierten sich mit einem Kollegen, der eine Regenbogenflagge gezeigt hatte

Anlass für die Kundgebung war die Ankündigung der Universitätsleitung, ein Disziplinarverfahren gegen einen Studenten einzuleiten. Er hatte während einer Kundgebung am 1. Februar, die von der Polizei angegriffen wurde, auf das Einfahrtstor der Universität geklettert. Dort zeigte er eine Regenbogenflagge. Die Bilder der Aktion gingen um die ganze Welt. 

Studierende und Lehrpersonal der Boğaziçi-Universität protestieren bereits seit Anfang Jänner gegen die Bestellung von Melih Bulu zum Rektor der Einrichtung. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdoğan eingesetzt.

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Prozess gegen Studierende hat letzte Woche begonnen

Anfang Februar eskalierten die Proteste, als vier Stundent:innen festgenommen wurden. Sie hatten im Rahmen einer Kunstaktion auf der Universität ein Bild gezeigt, dass die Kaaba, die heiligste Stätte des Islam, zeigt – fast vollständig von einem mythischen Wesen bedeckt, in den Ecken des Bildes waren eine Regenbogen-, eine Trans-, eine Lesben- und eine Asexuellen-Flagge zu sehen.

Wegen des Bildes hatte die Staatsanwaltschaft Anklagen wegen „Aufhetzung zu Hass und Feindseligkeit“ gegen sieben Studierende erhoben und Haftstrafen zwischen einem und drei Jahren gefordert. Der Prozess hatte letzte Woche begonnen. Der Richter ordnete am Ende des ersten Verhandlungstages die Entlassung zweier Angeklagter aus der Untersuchungshaft an, auch der Hausarrest gegen zwei Studierende wurde aufgehoben.