Nach LGBTI-feindlichen Kommentaren: Hertha BSC entlässt Tormanntrainer

Zum Abschied betont Zsolt Petry: "Ich bin nicht homophob!"

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Hertha BSC zieht die Reißleine: Der Berliner Bundesligist entlässt seinen Tormanntrainer, den Ungarn Zsolt Petry. Er hatte in der regierungsnahen Tageszeitung Magyar Nemzet unter anderem gegen seinen Landsmann Péter Gulácsi gewettert, weil sich der Tormann von Red Bull Leipzig zuletzt für die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten ausgesprochen hatte – für die konservative Regierung von Viktor Orbán seit Jahren ein rotes Tuch.

Kritik an Nationaltorhüter Péter Gulácsi, weil sich dieser für LGBTI-Familien eingesetzt hat

„Die Mehrheit der ungarischen Gesellschaft stimmt der Meinung von Gulácsi zu Regenbogenfamilien nicht zu. Ich weiß nicht, was Peter veranlasst haben könnte, sich für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität einzusetzen. Ich hätte die Gemüter an seiner Stelle nicht aufgewühlt“, zitierte die Zeitung Petry. Außerdem fielen in dem Interview kontroverse Aussagen zum Thema Zuwanderung.

Gulácsi hatte im Februar die Einschränkung von Rechten sexueller Minderheiten in seiner Heimat Ungarn kritisiert: Auf Facebook kritisierte der Nationaltorhüter vor allem eine Gesetzesänderung vom Dezember 2020, der zufolge gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern verboten wird.

Herthas queerer Fanclub war „zutiefst erschüttert und sprachlos“

Petrys Aussagen widersprechen diametral den Werten von Hertha BSC – der Verein setzt sich aktiv gegen Homophobie im Fußball ein. Mit den Herta-Junxx hat er einen eigenen queeren Fanclub, der von Petrys Aussagen „zutiefst erschüttert und sprachlos“ war. Seit 2013 ist der Verein Mitglied des Berliner Toleranzbündnisses, er gehört auch zu den Erstunterzeichnern der Berliner Erklärung gegen Homophobie und für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz im Sport.

Dementsprechend gab es in sozialen Medien einen Aufschrei – Fans forderten Hertha und Sportdirektor Arne Friedrich zum Handeln auf. Daraufhin baten die Verantwortlichen des Vereins den Torwarttrainer gestern Abend zum Gespräch, wie die Bild-Zeitung berichtet. Heute Mittag soll es dann zu einer zweiten Krisensitzung gekommen sein, die mit dem Rauswurf des langjährigen Tormann-Trainers endete.

„Die Äußerungen entsprechen nicht den Werten von Hertha BSC“: Sofortige Trennung

„Die Arbeit von Zsolt Petry wurde in seinen Jahren bei Hertha BSC immer sehr geschätzt. Ebenso erlebte man ihn stets offen, tolerant und hilfsbereit. Er hat zu keiner Zeit homophob oder fremdenfeindlich agiert. Auch unter Würdigung von Übersetzungsfeinheiten und der Tatsache, dass einige Aussagen von Zsolt im Interview ohne Rücksprache vor der Veröffentlichung weggelassen wurden, mussten wir letztlich feststellen, dass die getätigten Äußerungen insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen. Wir danken Zsolt Petry für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, so Hertha-CEO Carsten Schmidt.

Petry selbst betonte in der Stellungnahme seines Ex-Vereins, „dass ich weder homophob noch fremdenfeindlich bin“. Er bedauere seine Aussagen sehr und möchte die Betroffenen um Entschuldung bitten. „Ich war sehr gerne für Hertha BSC tätig und respektiere diese Entscheidung. Ich wünsche allen bei Hertha BSC viel Erfolg für die Zukunft“, so der ehemalige Tormanntrainer.