Home Szene Wien Nach Corona-Pause: Dieses Jahr gibt’s wieder eine Vienna Pride

Nach Corona-Pause: Dieses Jahr gibt’s wieder eine Vienna Pride

Auch die Regenbogenparade zieht wieder über die Ringstraße - wenn auch anders als gewohnt

Gruppe auf der Regenbogenparade 2017
Sujetbild - premiumPIX

Es ist ein deutliches buntes Zeichen nach mehr als einem Jahr voller Corona-Beschränkungen: Die Vienna Pride und die Regenbogenparade werden heuer wieder im Juni stattfinden. Die Regenbogenparade wird am 19. Juni als Fuß- und Fahrraddemonstration über die Ringstraße ziehen. Einen Schwerpunkt wollen die Veranstalter:innen dieses Jahr auf das Thema Sichtbarkeit von Angehörigen sexueller Minderheiten lenken.

Veranstalter in intensivem Austausch mit Medizin und Behörden

„Wir müssen immer noch vorsichtig sein, aber dank intensivem Austausch mit Medizin und Behörden und vorausschauender wie flexibler Planung kann Vienna Pride von 7. bis 20. Juni stattfinden“, hofft Katharina Kacerovsky, Geschäftsführerin der Stonewall GmbH, die die Vienna Pride veranstaltet. Gerade in Krisenzeiten seien Sichtbarkeit, Lebensfreude und ein starkes Miteinander umso wichtiger, betont die Veranstalterin.

Höhepunkt dieses zweiwöchigen Programms wird die 25. Regenbogenparade am 19. Juni sein, die unter dem Motto „Stay safe, stay proud“ von der HOSI Wien organisiert wird. Das Motto bezieht sich dabei nicht nur auf die Corona-Krise – denn viele LGBTI-Personen seien nicht einmal in der eigenen Familie sicher, wie die Veranstalter:innen betonen.

Regenbogenparade mit Abstand und Maske – und ohne Autos

Um die Gesundheit der Teilnehmenden zu gewährleisten, wird die Regenbogenparade dieses Jahr als reine Fuß- und Fahrraddemonstration stattfinden. Damit kehrt sie im Jubiläumsjahr praktisch zurück an ihre Wurzeln. Die Teilnehmenden sollen dabei eine FFP-2-Maske tragen und zwei Meter Abstand zu haushaltsfremden Personen einhalten, so die Veranstalter:innen. Die Abschlusskundgebung findet wieder traditionell vor dem Rathaus statt.

Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien, hebt dieses Jahr besonders die politische und gesellschaftliche Botschaft der Regenbogenparade hervor: „Es ist die 25. Wiener Regenbogenparade, und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist immer noch legal. Noch immer gibt es kein Verbot von medizinisch unnötigen Operationen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen. Und noch immer ist es Männern, die Sex mit Männern haben, verboten, Blut zu spenden – diese Diskriminierung ist mitten in einer Gesundheitskrise an Absurdität kaum zu überbieten.“

Die politische Botschaft der Regenbogenparade bleibt wichtig

Diese Beispiele von alltäglicher Diskriminierung zeigten, wie wichtig Demonstrationen wie die Regenbogenparade immer noch seien: „Nachdem die Bundesregierung hier immer nur verzögert und vertagt, bleibt es wieder einmal an uns, der LGBTIQ-Community, hängen, auf die Straße zu gehen und so Überzeugungsarbeit zu leisten“, so Otte.

Begleitet werden Pride und Parade von zahlreichen Veranstaltungen: Bereits am 1. Juni startet das Projekt „FLAGincluded“ der HOSI Wien, das die Regenbogen-Beflaggung von Schulen in Wien während des gesamten Monats organisiert. Ebenfalls den gesamten Juni fahren die Straßenbahnen der Wiener Linien mit der Regenbogenflagge durch die ganze Stadt, um „LGBTIQ-Menschen und ihre Anliegen sichtbar zu machen“, wie es in der Aussendung der Veranstalter:innen heißt.

Regenbogenflaggen in der ganzen Stadt als Zeichen der Sichtbarkeit

Auch die unabhängig organisierte Wiener Fensterl Parade, Überraschungshit der letztjährigen Corona-Pride-Saison, wird es wieder geben: Die Organisator:innen rufen Interessierte dazu auf, am 5. Juni Fenster und Balkone zu beflaggen und so Sichtbarkeit zu zeigen. Ab dem 7. Juni werden Theater, Universitäten, Wiener Wohnen, die Spitäler des Wiener Gesundheitsverbundes und weitere Kooperationspartner:innen die Regenbogenfahne als Zeichen ihrer Solidarität mit der LGBTI-Community hissen. In der Regel folgen die von den Grünen geführten Bundesministerien ebenfalls um diese Zeit.

Auch sonst bietet die Vienna Pride trotz Corona-Beschränkungen ein umfangreiches Programm. So wird es am 13. Juni einen Pride-Tag im Tiergarten Schönbrunn geben. In der Hauptbücherei am Gürtel sind spezielle Büchertische geplant, auf dem Dach des Gebäudes soll es ein Pride-Kino geben. Einige Lokale der Community werden Pride-Brunches anbieten, sofern es – wie bei allen geplanten Programmpunkten – die zu dieser Zeit geltenden Regelungen zulassen.

Ein Großteil des Programms wird sich deshalb auch dieses Jahr online abspielen. So wird es digitale Führungen in einigen Museen wie der Albertina geben, medizinische Online-Vorträge, Diskussionen und Workshops sowie den Pride Run Vienna, der dieses Jahr zum ersten Mal virtuell stattfindet: Die Startersackerl für den Lauf, der am 18. Juni stattfindet, werden per Post zugestellt und jede:r Teilnehmer:in soll dann im Pride Run Shirt an einem individuellen Ort laufen, um für Sichtbarkeit zu sorgen.

Stadt Wien unterstützt die Vienna Pride

Großzügig unterstützt wird die Vienna Pride auch dieses Jahr wieder von der Stadt Wien. „Wien ist eine bunte und weltoffene Stadt, in der Respekt, Vielfalt, Gleichstellung und der Kampf gegen Diskriminierung in allen Lebensbereichen ganz wesentliche Werte und Leitlinien sind. Die Vienna Pride ist dafür ein besonders starkes und sichtbares Zeichen“, so Bürgermeister Michael Ludwig von der SPÖ.

Und auch der für Antidiskriminierung zuständige Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr von den Neos betont, dass in einer weltoffenen und vielfältigen Stadt wie Wien jedem Menschen klar sein müsse, dass Menschenrechte nicht verhandelbar seien. „Daher ist es wichtig, das Symbol des Regenbogens hochzutragen und laut von Wien aus gegen Hass und Diskriminierung anzutreten und für Gleichstellung und Vielfalt einzutreten“, so Wiederkehr.