US-Militär wieder für trans Personen geöffnet

Richtlinie des Verteidigungsministeriums tritt in Kraft

Sujetbild: US-Army
Sujetbild - Fotolia

Ab heute dürfen sich trans Personen wieder in die US-Streitkräfte einschreiben lassen und ihrem Land in ihrem gelebten Geschlecht dienen. Eine entsprechende Richtlinie des Verteidigungsministeriums, die Ende März am Transgender Day of Visibility vorgestellt wurde, ist heute in Kraft getreten.

Joe Biden hat damit eines seiner Wahlversprechen eingelöst

Damit hat US-Präsident Joe Biden eines seiner Wahlversprechen eingelöst: Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte er die Beschränkungen seines Vorgängers für trans Personen im Militärdienst per Dekret aufgehoben und das Verteidigungsministerium angewiesen, innerhalb von zwei Monaten neue Richtlinien zu erlassen.

Diese sind jetzt in Kraft getreten: Nun haben trans Personen wieder die Möglichkeit, die Standards zu erfüllen, um zur Armee einrücken zu können und dort offen in ihrem selbst identifizierten Geschlecht zu dienen. Außerdem soll ihnen ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung und Unterstützung bei der Geschlechtsanpassung ermöglicht werden.

Entlassungen von trans Personen sollen erneut überprüft werden

Zusätzlich zur neuen Richtlinie hat Verteidigungsminister Lloyd Austin angeordnet, alle Fälle zu überprüfen, in denen Militärangehörige wegen ihrer Geschlechtsidentität aus dem Dienst entlassen worden sind. In einer internen Mitteilung an alle seine Mitarbeiter:innen erklärte er, dass die USA „große Fortschritte“ gemacht hätten, die Herausforderungen der trans Community anzuerkennen.

Der Leidensweg vieler trans Menschen zeige, dass noch mehr getan werde müsse, damit alle Menschen mit Würde und Respekt behandelt würden, „egal wie sie sich identifizieren“, so Austin weiter. Die Stärke der US-Streitkräfte liege auch daran, „weil wir auf das beste Talent zugreifen können, das Amerika anzubieten hat, unabhängig von der Geschlechtsidentität“.

Das Ende einer wechselvollen – und oft tragischen – Geschichte

Trans Militärangehörige haben in den US-Streitkräften eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Bis vor fünf Jahren konnten sie wegen ihrer Geschlechtsidentität aus dem Militärdienst entlassen werden. Unter Präsident Barack Obama konnten sie ab 2016 offen in der Armee bleiben. Ab 2017 sollten sie auch rekrutiert werden können – doch dieser Plan wurde von Obamas Nachfolger Donald Trump gestoppt.

Auch gegen den Widerstand hochrangiger Militärs setzte Trump durch, dass Menschen nur mehr mit ihrem „Geburtsgeschlecht“ bei den US-Streitkräften dienen dürften – trans Personen also praktisch nicht zur Armee durften. Nach einigen Klagen von Betroffenen und Bürgerrechtsverbänden wurde Trumps Regelung dahingehend entschärft, dass zumindest Personen, die vor April 2019 eine Hormonbehandlung hatten, in den Streitkräften bleiben durften.