Litauen: 10.000 demonstrieren gegen Rechte für Lesben und Schwule

Trotz Corona-Verbot: Ohne Masken und Abstand mit Kindern unterwegs

Litauen
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In der litauischen Hauptstadt Vilnius haben sich am Samstag etwa 10.000 Menschen versammelt, um mit einem „Großen Marsch zur Verteidigung der Familie“ gegen die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu demonstrieren – mit ihren Kindern, aber ohne Masken und Abstand. Wegen der Corona-Situation in dem baltischen Land war die Veranstaltung eigentlich verboten worden.

Der offen schwule Abgeordnete Tomas Vytautas Raskevičius hatte einen entsprechenden Gesetzesentwurf eingebracht, der im Juni im Seimas, dem litauischen Parlament, diskutiert werden soll. Der Entwurf würde schwulen und lesbischen Paaren unter anderem Erbrechte, gemeinsamen Besitz von Eigentum oder die Möglichkeit sichern, ihren Nachnamen zu ändern, beinhaltet aber nicht das Recht, Kinder zu adoptieren.

Im Juni wird über ein Gesetz diskutiert, das gleichgeschlechtlichen Paaren einige Grundrechte bringen soll

Das Gesetz könnte mit den Stimmen der an der Regierung beteiligten Liberalen und der oppositionellen Sozialdemokraten beschlossen werden. Präsident Gitanas Nausėda hatte allerdings bereits klargestellt, dass ein solches Gesetz nicht gegen die Verfassung verstoßen dürfe, in der die Ehe als Verbindung von Mann und Frau definiert ist.

Litauen ist eines der LGBTI-feindlichsten Länder in der EU: Die Mehrheit der Bevölkerung ist römisch-katholisch – und gegen Rechte für sexuelle Minderheiten: Bei einer Umfrage im Jahr 2019 haben 70 Prozent der Litauer:innen angegeben, gegen die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen zu sein.