Gewichtheberin Laurel Hubbard wird erste trans Athletin bei Olympia

Konkurrentinnen fürchten einen unfairen Startvorteil

Goldmedaille - Olympia 2016
Rio 2016/IOC

Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele wird in Tokio eine trans Athletin teilnehmen: Das Nationale Olympische Komitee Neuseelands (NZOC) hat heute, Montag, die 43 Jahre alte Gewichtheberin Laurel Hubbard nominiert.

Hubbard ist „dankbar und demütig“ für die Unterstützung

„Ich bin dankbar und demütig für die Freundlichkeit und Unterstützung, die mir von so vielen Neuseeländern gegeben wurde“, so Hubbard in einer Mitteilung des NZOC. Die aus Auckland stammende Hubbard tritt in der Klasse bis 87 Kilo an. Damit ist sie eine direkte Konkurrentin der Österreicherin Sarah Fischer. Nach ihrer Geschlechtsanpassung im Jahr 2012 trat sie 2018 bei den Commonwealth Games an, brach sich dort aber im Wettkampf den Arm. Im folgenden Jahr gewann sie bei den den Pazifikspielen im Inselstaat Samoa den Titel. 

Im November 2015 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein „Consensus Statement“ verabschiedet. Darin sind Empfehlungen, wie die einzelnen Sportverbände mit trans Athleten, Intersexualität und Hyperandrogenität, also erhöhten Testosteronwerten im Blut, umgehen.

Kritiker glauben, dass Hubbard einen Startvorteil hat

Seitdem dürfen Frauen, die eine Geschlechtsidentität als Mann angenommen haben, ohne Restriktionen an Männer-Wettkämpfen teilnehmen. Im umgekehrten Fall gilt dies jedoch nicht. So muss die Geschlechtsangleichung mindestens vier Jahre zurückliegen und amtlich beurkundet sein. Die Athletin muss zusätzlich nachweisen, dass ihr Testosteronspiegel im Blut vor ihrem ersten Wettkampf mindestens 12 Monate lang unter einem gewissen Spiegel gelegen hat.

„Das übergeordnete sportliche Ziel ist und bleibt die Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs“, heißt es in den Richtlinien. Doch Hubbards Start bei Frauenbewerben ist umstritten. Gegner fürchten, dass unter anderem die Knochen- und Muskelstruktur Vorteile bringen könnte, wenn jemand männlich durch die Pubertät gegangen ist. Allerdings kam eine US-Studie, die vor einem halben Jahr veröffentlicht wurde, zu dem Ergebnis, dass sich die Leistungsfähigkeit von trans Athletinnen etwa zwei Jahre nach dem Start der Hormonbehandlung an die Fähigkeit ihrer Konkurrentinnen angleicht-

Kritik auch von Konkurrentinnen

Auch einige Konkurrentinnen glauben, dass Hubbard als trans Sportlerin einen Vorteil haben könnte. Für die belgische Gewichtheberin Anna Vanbellinghen, die in der selben Gewichtsklasse antritt, ist die Nominierung der 43-Jährigen durch den neuseeländischen Verband ein „schlechter Scherz“. Sie wolle weder Hubbard noch die trans Community kritisieren, doch diese Situation sei „unfair gegenüber dem Sport und den Athletinnen“.

Vom neuseeländischen Verband heißt es dazu, man habe „eine starke Kultur des Respekts und der Inklusion“: „Wir haben uns verpflichtet, alle teilnahmeberechtigten Athletinnen und Athleten zu unterstützen.“ Auch NZOC-Chef Kereyn Smith betonte, dass die 43-Jährige alle Vorgaben und Kriterien für eine Olympiateilnahme erfüllt hat. „Wir sehen, dass Geschlechtsidentität im Sport ein hochsensibles und komplexes Thema ist, das eine Balance zwischen Menschenrechten und Fairness auf dem Spielfeld erfordert“, so Smith.