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UEFA untersagt Regenbogen-Arena beim EM-Spiel gegen Ungarn

Fadenscheinige Begründung des Fußballverbands enttäuscht auch die deutsche Politik

Allianz-Arena in Regenbogen-Farben
FC Bayern München

Am Mittwoch spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Rahmen der Europameisterschaft in München gegen Ungarn. Nachdem die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán letzte Woche ein LGBTI-feindliches Gesetz beschlossen hatte, forderten Politiker und Sportler, die Allianz Arena als Spielort an diesem Tag in Regenbogenfarben zu beleuchten.

Der Münchner Stadtrat wollte die Allianz-Arena in Regenbogenfarben beleuchten

So hat der Münchner Stadtrat in einem von allen Fraktionen unterstützten Antrag an die UEFA die Beleuchtung als Signal für Vielfalt und selbstbestimmte Lebensformen sexueller Orientierung gefordert. Außerdem wurde Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD gebeten, das Rathaus mit Regenbogenfahnen zu beflaggen, so die Süddeutsche Zeitung. Man wolle ein Zeichen für eine bunte, vielfältige und tolerante Gesellschaft setzen.

Der Vorschlag fand breite Unterstützung: Auch DFB-Star Leon Goretzka, der erst im Mai seine Unterstützung für das Coming Out eines Kollegen bekräftigt hatte, hat bei seiner Pressekonferenz am Montag den Plan, die Allianz-Arena beim Ungarn-Match bunt zu beleuchten, als „tolle Idee“ unterstützt: „Es ist ein schönes Zeichen, dass da mit vielfältigen Ideen aufmerksam gemacht wird“, so der 26-Jährige.

Auch Markus Söder begrüßte die bunte Arena

Eine entsprechende Online-Petition wurde bislang von fast 145.000 Menschen unterschrieben. Sogar CSU-Ministerpräsident Markus Söder, sonst eher ein Unterstützer Orbáns, begrüßte den Vorstoß den Münchner Stadtrats. „Ich fände es gut, wenn die Regenbogenfarben strahlen würden“, so Söder in Berlin. Dies wäre „ein Signal für die Offenheit unserer Gesellschaft“.

Für den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) begrüßte Vorstandsmitglied Christian Rudolph, der auch erster Ansprechpartner für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt beim Deutschen Fußballbund ist, die Idee. „Gerade weil wir im Pride Month sind. Das wäre ein klares Zeichen“, so Rudolph gegenüber der Deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Bitte keine Politik beim Fußball: UEFA lehnt den Antrag ab

Doch die UEFA hat den Antrag des Münchner Stadtrats nun abgelehnt. „Die UEFA ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt – muss die UEFA diesen Antrag ablehnen“, hieß es vom Verband.

„Die UEFA gibt ein einheitliches Stadiondesign vor. Und es gibt gute Gründe, dieses einheitliche Stadiondesign auch zu leben. Vielleicht muss man die Beleuchtung nicht unbedingt am Spieltag Mittwoch festmachen“, bestätigte auch DFB-Pressesprecher Jens Grittner der Bild-Zeitung. Die Allianz Arena soll stattdessen am 28. Juni, dem Christopher Street Day, oder während der Münchner Pride-Woche in Regenbogenfarben leuchten. Das ist allerdings auch schon in den letzten Jahren geschehen.

LSVD kritisiert Entscheidung, Ungarn ist erleichtert

Kritik an der Entscheidung kommt vom LSVD: „Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die UEFA mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten“, so LSVD-Sprecher Markus Ulrich: „Die UEFA hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt – und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt.“

Die ungarische Regierung dürfte nun aufatmen. Sie war von dem Plan, die Allianz Arena während des Spiels in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen, ohnehin nicht begeistert: „Es ist äußerst schädlich und gefährlich, Sport und Politik zu vermischen“, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur MTI Außenminister Peter Szijjártó: „Die historische Erfahrung zeigt, dass das eine schlechte Sache ist, und allen voran die Deutschen wissen das genau“, schwingt der Politiker undiplomatisch die Nazi-Keule.

Regenbogen-Kapitänsschleife für Manuel Neuer bleibt erlaubt

Doch ein anderes wichtiges Symbol hat die UEFA nun sogar ausdrücklich gestattet: So wird Manuel Neuer wie auch bei den anderen Gruppenspielen gegen Ungarn eine Regenbogen-Kapitänsschleife tragen. Hier hat sich der DFB gegen die UEFA durchgesetzt. Denn die UEFA hatte bereits mit Ermittlungen gegen Neuer begonnen, weil er nicht die offizielle Binde des Verbands verwendet hatte – und gab schließlich klein bei.

Neuer trage diese Kapitänsbinde als Zeichen und „klares Bekenntnis der gesamten Mannschaft für Diversität, Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung“, so DFB-Pressesprecher Grittner. Einer Meinung, der sich schließlich auch die UEFA anschloss: Die Regenbogenbinde werde „als Zeichen der Mannschaft für Vielfalt und damit für good cause bewertet“, teilte der DFB schließlich via Twitter mit.

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