Erschreckend viele Zwischenfälle am Rand der Regenbogenparade

"Plötzlich kam jemand vorbei, zog mir die Fahne aus dem Rucksack und zerbrach sie vor meinen Augen"

Symbolbild: Regenbogenflagge
Symbolbild - Adobe Stock

Ein Fest der Freude war dieses Jahr die Regenbogenparade auf der Wiener Ringstraße. Mehr als 150.000 Menschen haben zusammen gefeiert und für die Rechte sexueller Minderheiten demonstriert. Doch am Rand der Parade hat es dieses Jahr etliche Zwischenfälle gegeben, die Grund zur Besorgnis geben – und fast jeden Tag kommen neue Fälle ans Licht.  

„Ihr habt keinen Platz in unserer Gesellschaft“

Auf Twitter teilt etwa Cajetan Perwein, Mitarbeiter im Umweltministerium, seine Erfahrungen: So wurde er während der Parade zwei Mal angespuckt und als “Scheiß-Schwuchtel” beschimpft. Und das war nicht alles: “Am Praterstern wollte ich mir was zu essen kaufen, meine Regenbogen-Fahne hatte ich noch am Rucksack. Plötzlich kam jemand vorbei, zog mir die Fahne aus dem Rucksack und zerbrach sie vor meinen Augen mit den Worten ‘ihr habt keinen Platz in unserer Gesellschaft’”, so Perwein im Gespräch mit dem Online-Magazin ZackZack

Am Tag nach der Parade bekommt er auf Instagram eine verstörende Nachricht von einem 18-Jährigen. Der Inhalt: “Ich werde dich verprügeln, du Schwuchtel”. Gegenüber GGG.at kündigt Perwein an, den Verfasser dieser Nachricht anzuzeigen. Mit seinen schlechten Erfahrungen ist er dieses Jahr nicht alleine: “Ich habe seit Samstag schon von drei Vorfällen gehört, bei denen Freunde von mir nach der Regenbogenparade (fast) körperlich attackiert wurden, weil man sie als Schwule identifiziert hat. In dieser Dichte habe ich das noch nicht erlebt”, schreibt etwa Moritz Yvon, Vereinssekretär der HOSI Wien, auf Twitter. 

Mittlerweile haben sich acht weitere Betroffene gemeldet

Auch die Tageszeitung Heute berichtet über einen schwulenfeindlichen Vorfall am Rand der Regenbogenparade: Beim Schwedenplatz sei ein junger Wiener, der mit einer Freundin unterwegs war, von mehreren Männern beschimpft worden. “Er wurde angeblich auch mit einer Flasche beworfen”, so ein Sprecher der Awareness-Teams der Stadt Wien: “Wir haben ihn um ca. 1.30 Uhr betreut und den Kontakt zu seinen Freunden hergestellt” Der Mann wollte den Fall bei der Polizei anzeigen. 

Perwein hat nach seinen Erfahrungen einen Entschluss gefasst: “Ich würde gerne ein Video mit Personen drehen, die Hatecrimes erlebt haben – um Menschen da draußen zu ermutigen und zu zeigen, dass wir nur gemeinsam stark sind”, schreibt er auf Twitter. Mittlerweile haben sich acht Personen gemeldet, denen rund um die Regenbogenparade etwas passiert ist. 

Die Vorfälle zeigen, wie wichtig die Pride noch immer ist

Die Vorfälle würden zeigen, “wie dringend nötig Vienna Pride immer noch ist”, so Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien: “Wir verurteilen diese Vorfälle auf das Schärfste und erwarten von Polizei und Staatsanwaltschaft, dass sie jedem einzelnen davon umfassend nachgehen.” 

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Die HOSI-Wien-Obfrau ruft auch dazu auf, Vorfälle zu melden – entweder per Mail an die HOSI Wien oder über die App der Gleichbehandlungsanwaltschaft. “Nur so kann das ganze Ausmaß erfasst werden, nur so kann die Polizei in Zukunft präventiv für Sicherheit sorgen”, so Otte.