Gleich zwei Mal hat die UEFA am Wochenende die Community verraten

Keine Regenbogenwerbung, keine Regenbogenflaggen - obwohl sich der Verband als Verbündeter der Community präsentiert

UEFA-Logo in Regenbogenfarben
UEFA

Keine gute Figur hat die UEFA dieses Wochenende gemacht, wenn es um den Einsatz für die LGBTI-Community geht: So hat der europäische Fußballverband zuerst seinen Sponsoren verboten, bei den Halbfinalspielen in St. Petersburg und Baku ihre Regenbogensujets zu verwenden. Und beim Viertelfinalspiel Dänemark gegen Tschechien hat ein UEFA-Ordner die Regenbogenflagge eines dänischen Fans konfisziert – die Begründung des Verbandes entpuppte sich schnell als Lüge. 

Schon in München hat sich die UEFA nicht durch Weitsicht ausgezeichnet

Es ist das letzte enttäuschende Kapitel einer langen Geschichte, die letzte Woche mit dem Gruppenspiel Deutschland gegen Ungarn in der Münchner Allianz-Arena begann: Wegen LGBTI-feindlicher Gesetze in Ungarn wollte die Stadt München das Stadion in Regenbogenfarben beleuchten – was die UEFA verbot. Es folgte ein Shitstorm und eine Solidarisierung vieler anderer deutscher Stadien, die stattdessen bunt leuchteten. 

Schon damals bewies die UEFA nicht wirklich viel Fingerspitzengefühl: Um von ihrer Entscheidung abzulenken, postete sie in Sozialen Medien das eigene Logo in Regenbogen-Farben und versicherte ihre Solidarität mit der LGBTI-Community – nur kurz, nachdem sie versucht hatte, die Regenbogen-Binde des deutschen Kapitäns Manuel Neuer zu verhindern. 

Sponsoren haben jene Fakten geschaffen, nicht die UEFA

Dafür haben einige Bandensponsoren Fakten geschaffen und in verschiedenen Stadien Regenbogenversionen ihrer Werbungen leuchten lassen. Dazu gehören Firmen wie Volkswagen, Heineken, booking.com und TikTok. Und weil die UEFA bei ihren Sponsoren besonders gut hinhört, teilte sie mit, “eine Botschaft der Toleranz und Gleichstellung zu übermitteln” werde absolut unterstützt. 

Doch diese Unterstützung endet dort, wo es wirklich notwendig ist und der UEFA weh tun könnte: Wie Volkswagen bekanntgab, hatte die UEFA die Verwendung der Werbebanden in Regenbogenbanden bei den Viertelfinalspielen im russischen St. Petersburg und Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, untersagt.  

Keine Regenbogen-Werbung in St. Petersburg und Baku

“Aufgrund von Bedenken der UEFA im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen an den Spielorten in Russland und Aserbaidschan hat der Verband uns darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine Bespielung der Werbebanden in Regenbogenfarben in St. Petersburg und Baku nicht möglich sei”, teilte Volkswagen mit. Der deutsche Autokonzern betonte, diese Entwicklung zu bedauern: Man habe erneut ein “deutliches Zeichen pro Vielfalt” setzen wollen. 

“Die Dreistigkeit und Verlogenheit der UEFA ist kaum zu überbieten. Mit diesem Vorgehen verrät sie nicht nur Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen in Aserbaidschan und Russland, sondern in ganz Europa”, ärgert sich Alfonso Pantisano, Bundesvorstandsmitglied des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) über den Fußballverband. Der rechtfertigte sich mit der rechtlichen Situation in Russland und Aserbaidschan – womit in München offenbar UEFA-Recht vor nationalem gilt, in St. Petersburg und Baku aber nicht. 

In Baku hat ein Ordner einem dänischen Fan eine Regenbogenfahne entrissen

Und das war nicht der einzige Zwischenfall an diesem Wochenende, der daran zweifeln lässt, dass der UEFA die Lage sexueller Minderheiten wirklich ein Anliegen sind. Wie auf Fotos zu sehen war, haben zwei Ordner am Samstag einem dänischen Fan beim Viertelfinalspiel Dänemark gegen Tschechien vor dem Anpfiff die Regenbogenflagge weggenommen. “Der Ordner hat sie mir aus den Händen gerissen” – ohne Angabe von Gründen, berichtet der Fan dem Dänischen Rundfunk DR. 

https://twitter.com/dw_sports/status/1411355120655384580

Die UEFA versuchte, die Verantwortung an diesem Vorfall von sich wegzuschieben: Der Verband betonte, die Ordner in Baku oder anderen EM-Stadien nicht angewiesen zu haben, Regenbogenflaggen zu konfiszieren, der Vorfall werde untersucht. Man habe allerdings die Information erhalten, dass der dänische Fan “stark betrunken” gewesen sei und Ärger mit lokalen Fans gehabt habe. 

UEFA: Fan sei betrunken gewesen – doch das weist der dänische Verband strikt zurück

Doch das weist der dänische Verband entschieden zurück. Man habe Mitarbeiter in der Nähe des Vorfalls gehabt und teile die Aussage der UEFA überhaupt nicht, dass der betroffene Fan stark betrunken gewesen sei, betonte Ronnie Hansen, kaufmännischer Direktor des dänischen Fußballverbands, auf Twitter. Die Regenbogenfahne hat der Fan nach dem Ende des Spiels über den dänischen Fan-Koordinator wieder zurückbekommen. 

Mittlerweile hat der Fall auch die dänische Politik erreicht. Einem Bericht des Dänischen Rundfunks (DR) zufolge stellte sich Gleichstellungsminister Peter Hummelgaard auf die Seite des Fans. Es sei für ihn völlig unverständlich, dass die Flagge im Stadion nicht willkommen sei, sagte er dem DR. “Es ist ein Kampf um Werte, den wir nicht verlieren dürfen”, so der Minister. Er wolle gemeinsam mit der Regierung “weiter Druck machen”. 

Schon beim letzten EM-Spiel in der Budapester Puskás Aréna wurde berichtet, dass Ordner den niederländischen Fans beim Eintritt ins Stadion und in die offizielle Fanzone Regenbogenflaggen abgenommen. Auch hier hat die UEFA bestritten, dass es für das Stadion entsprechende Anweisungen gegeben hatte. Zu den Zwischenfällen im Fan-Bereich in einem Park hatte die UEFA auf die Zuständigkeit der lokalen Behörden verwiesen.