Dienstag, 27. Februar 2024
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Nach Mob-Attacke: Georgischer Kameramann gestorben

Die Behörden sehen keinen Zusammenhang mit der Gewaltorgie

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Der georgische Kameramann Alexander Laschkarawa ist tot. Er wurde am Sonntag tot in seiner Wohnung aufgefunden. Laschkarawa, der für den georgischen Sender TV Pirveli gearbeitet hat, wurde letzte Woche bei der Berichterstattung von LGBTI-feindlichen Ausschreitungen von mehreren Männern angegriffen und schwer verprügelt. 

Die Mutter hatte ihren Sohn tot im Bett gefunden

Berichten zufolge hat Laschkarawas Mutter ihren Sohn tot im Bett aufgefunden. Die Todesursache ist noch unbekannt. Die Polizei gab an, Ermittlungen wegen “Anstiftung zum Suizid” eingeleitet zu haben. In einer Pressekonferenz betonte das Innenminsterium, dass die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien, man aber eine Überdosis Drogen als Todesursache vermute. 

Doch Angehörige und Freunde des Kameramannes sind sich sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen seinem Tod und der Attacke gibt. Bei dem Angriff hatte Laschkarawa auch mehrere Verletzungen im Gesicht erlitten, darunter Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung. Nachdem er im Krankenhaus behandelt worden war, erholte er sich in seiner Wohnung. 

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Der Übergriff geschah am letzten Montag, als nationalistische und orthodoxe Aktivist:innen stundenlang in der Innenstadt von Tiflis randalierten – dort, wo eigentlich die Tiflis Pride stattfinden sollte. Sie zerstörten Zelte der Opposition und eine EU-Flagge am Parlament. Im Verlauf des Tages griff der rechte Mob mehr als 50 Mitarbeiter:innen von Medien an und stürmte unter anderem das Büro der Pride-Veranstalter:innen. Dabei wurden sie teilweise von Priestern angefeuert, die Polizei sah größtenteils tatenlos zu.  

Der Mob prügelte 20 Minuten auf den Kameramann ein

Laschkarawa war am Montag mit der TV-Journalistin Miranda Bagharturia im Büro der oppositionellen Bürgerbewegung Shame, als der Mob das Gebäude stürmte. Bagharturia erinnerte sich in einem Interview mit ihrem Sender, dass sie von einem Dutzend Menschen umzingelt und angegriffen worden sei. Als sie ein Priester an den Haaren gezogen hatte, schritt Laschkarawa ein und wollte die Reporterin beschützen – daraufhin stürzte sich die Menge auf ihn.  

“Mein Kameramann war in einer Blutlache. Sie schlugen ihn 20 Minuten lang gnadenlos”, so Baghaturia: “In der Zwischenzeit hielten mich 15 Leute fest, ich schrie sie an, ihn nicht zu töten, sie stießen und schlugen mich.” Bei dem Angriff erlitt der Kameramann mehrere Verletzungen im Gesicht, darunter Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung. Nachdem er im Krankenhaus behandelt worden war, wurde er einige Tage später entlassen und erholte sich in seiner Wohnung. 

Journalisten und der Senderchef geben der Regierung eine Mitschuld am Tod von Laschkarawa

Mit seinen Verletzungen war Laschkarawa nicht alleine: Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) berichtete, erlitten die Journalist:innen, Fotograf:innen und Kameraleute Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen und Verätzungen mit Chemikalien. Den georgischen Behörden warf RSF vor, während der Angriffe untätig gewesen und so an den Verletzungen mitschuldig zu sein. 

Auch Vato Tsereteli, der Eigentümer des Senders, gibt in einer ersten Reaktion der Regierung die Schuld an dem Tod seines Mitarbeiters: “Es herrscht ein Gefühl der Straflosigkeit im Land”, meinte er, und machte Premierminister Garibaschwili und seiner Partei Georgischer Traum persönlich dafür verantwortlich. Der Sender kritisierte außerdem, dass bis jetzt nur vier Angreifer festgenommen wurden – obwohl durch das TV-Material neun von ihnen identifiziert werden konnten. 

In einer gemeinsamen Stellungnahme forderten 20 Oppositionsgruppen, darunter auch die Tiflis Pride, den Rücktritt Garibaschwilis. Am späten Sonntagnachmittag versammelten sich tausende Menschen zu einer Kundgebung vor dem Parlament, u