Erstmals Statistik über Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung

Das Innenministerium hat seine erste Statistik zu Hassverbrechen veröffentlicht

Bundesministerium für Inneres
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Das Innenministerium hat seinen ersten Bericht zu Hassverbrechen veröffentlicht. Demnach wurden von November 2020 bis April 2021 in Österreich insgesamt 1.936 Verbrechen registriert, die beispielsweise auf der Religion, Weltanschauung oder sexuellen Orientierung der Opfer basieren. Dabei wurden insgesamt 2.401 Vorteilsmotive gezählt, da ein Verbrechen auch aus mehreren Motiven gleichzeitig geschehen kann. 

97 Vorfälle gab es aufgrund der sexuellen Orientierung des Opfers

Davon betrafen 97 Vorurteilsmotive die sexuelle Orientierung, das sind etwa zwei Vorfälle pro Woche: 71-mal ging es um Lesben und Schwule, 14-mal um Bisexuelle und 12-mal um Heterosexuelle. Die Aufklärungsquote liegt mit 68 Prozent deutlich unter dem Schnitt von fast 72 Prozent. Insgesamt konnten 74 Tatverdächtige bei Hassverbrechen gegen die sexuelle Orientierung namhaft gemacht werden. Den Daten zufolge gab es 63 Opfer aus 55 Gewaltdelikten. 

Ein Beispiel, das im Bericht verwendet wird, zeigt eine homophobe Beschimpfung: Ein stark alkoholisierter Österreicher Mitte dreißig beschimpft bei einem Würstelstand an einem Wiener Markt einen Mann, der ein Kleid trägt, mit den Worten „Du Schwuchtel, in Russland gibt es sowas nicht“. 

Der jüngste Tatverdächtige war erst elf Jahre alt, mehr als zwei Drittel sind Österreicher

Der Jüngste, der eines Hassverbrechens aufgrund der sexuellen Orientierung verdächtigt wird, war erst elf Jahre alt, der Älteste 66. Die meisten Tatverdächtigen sind Mitte 20 und damit deutlich jünger als etwa bei Hassverbrechen aufgrund des Geschlechts, wo die Verdächtigen gut zehn Jahre älter sind.  

Weniger als ein Drittel der Tatverdächtigen sind keine Österreicher:innen, und vier von fünf Verdächtigen sind Männer. Fast die Hälfte der Tatorte von Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung waren im öffentlichen oder halböffentlichen Raum, 22 Prozent im privaten Raum und 12 Prozent im Internet. 

Das Ministerium weiß, dass die Daten zu niedrig sind

Diese Daten sind auffallend niedrig, das weiß auch das Innenministerium. Strafbare Handlungen, die sich gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung richten, seien “vermutlich pandemiebedingt unterrepräsentiert, da verbale, körperliche und sexuelle Übergriffe in diesem Bereich erfahrungsgemäß häufig mit Ausgeh-, Party- und Festivalaktivitäten einhergehen”, so der Bericht. Zusätzlich gibt es eine hohe Dunkelziffer an Delikten, die nicht angezeigt werden.

Zum Vergleich: In Berlin, das ungefähr halb so viele Einwohner wie ganz Österreich hat, hat es im Jahr 2020 insgesamt 510 homo- und transfeindliche Gewalttaten gegeben. Allerdings zeigen die Berliner Erhebungen: Die Zahlen steigen normalerweise von Jahr zu Jahr – nicht unbedingt, weil es mehr Vorfälle gibt, sondern weil mehr Betroffene die Taten anzeigen und sie auch richtig zugeordnet werden. 

„Hassverbrechen sind Straftaten, die über die Straftat hinaus eine Bedeutung für die Gesellschaft haben“, betonte der zuständige Innenminister Karl Nehammer von der ÖVP. Für die Polizei sei es entsprechend wichtig, was hinter einer Straftat steht. Dann könne man sich als demokratische Gesellschaft auch dagegen wehren.