Trans Politikerin Tessa Ganserer mit Deadname auf dem Wahlzettel

Weil eine Änderung des Transsexuellengesetzes seit zehn Jahren verschleppt wird

Tessa Ganserer
Tessa Ganserer

Für die diesjährige Bundestagswahl am 26. September kandidiert mit der Grünen Tessa Ganserer auch eine trans Frau. Auf dem Wahlzettel wird man sie allerdings vergeblich suchen – Grund dafür sind die geltenden gesetzlichen Regelungen.

Ganserer will sich nicht einem entwürdigendem Verfahren stellen, um auch amtlich eine Frau zu sein

Denn dem geltenden Gesetz zufolge müsste sie sich einem langwierigen und teuren Begutachtungsverfahren unterziehen, um auch vor dem Gesetz ihren Namen und ihr Geschlecht ändern zu können. Das empfinde sie als entwürdigend und verfassungswidrig, betont Ganserer. Eine entsprechende Änderung des Transsexuellengesetzes werde seit zehn Jahren verschleppt, ärgert sich die Politikerin.

Doch solange Tessa nicht ihr amtlicher Vorname ist, könne dieser auch nicht auf dem Wahlzettel stehen, hat der bayerische Landeswahlausschuss am Freitag beschlossen. Also wird Tessa, jener Name, unter der man Ganserer kennt, am Wahlsonntag nur in Klammern auf dem Wahlzettel zu finden sein, wie ein Spitz- oder Rufname.

Die Politikerin gibt sich betont kämpferisch

Überraschend kommt die Entscheidung für die Politikerin nicht. „Ich werde verspottet, beleidigt und bisweilen bedroht. Ich habe viele demütigende Momente ertragen, aber ich lasse mir meine Menschenwürde nicht nehmen“, hatte sie schon zuvor erklärt. Sie möchte nun gerichtlich gegen das Begutachtungsverfahren vorgehen.

Denn Tessa Ganserer hat ein Ziel: Sie möchte als eine der ersten trans Menschen in den deutschen Bundestag einziehen – und davon lässt sie sich nicht abbringen. Auch nicht durch ihren Deadname auf dem Wahlzettel. Die Chancen stehen gut: Sie ist bei den bayerischen Grünen auf Listenplatz 13. Bei der letzten Wahl konnte die Landespartei elf Abgeordnete nach Berlin entsenden, den aktuellen Umfragewerten zufolge dürften es deutlich mehr sein.