„Auch sexuelle Minderheiten müssen aus Afghanistan evakuiert werden“

Gemeinsamer Aufruf von LSVD, Schwulenberatung Berlin und dem Verein Rosa Strippe

Regenbogenflagge
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In Deutschland haben Menschenrechtsorganisationen an die Bundesregierung appelliert, auch sexuelle Minderheiten bei den Evakuierungsflügen aus Afghanistan zu berücksichtigen. Ihnen drohten Verfolgung, Folter und Mord, erklärten der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD), die Schwulenberatung Berlin und der Verein Rosa Strippe in einer gemeinsamen Aussendung. 

„Uns erreichen verzweifelte Hilfegesuche“

“Außenminister Maas hat angekündigt, so viele schutzbedürftige Menschen wie möglich aus Afghanistan zu evakuieren. Zu dieser Gruppe müssen Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen gehören. Uns erreichen verzweifelte Hilfegesuche”, heißt es in dem Appell.  Der Bundesregierung lägen konkrete Namen vor, so die Organisationen. 

Angehörige sexueller Minderheiten befinden sich in Afghanistan in Lebensgefahr: “Ihnen drohen nach der Machtübernahme durch die Taliban Verfolgung, Folter und Mord. Da sie ungeoutet leben, oftmals nicht zu den Ortskräften gehören oder offen in Menschenrechts-NGO arbeiten, ist es schwer sie zu identifizieren.” 

Queere Menschen sind bei den Evakuierungsmaßnahmen oft unsichtbar

Das treffe besonders für jene Menschen zu, die sich in Afghanistan für LGBTI-Rechte einsetzen. Da queere Menschen bei internationalen Hilfs- und Kooperationsmaßnahmen in den letzten beiden Jahrzehnten “ausgeblendet” worden seien, seien sie nun bei den aktuellen Evakuierungsmaßnahmen unsichtbar. 

Umso wichtiger sei es, die Hilfsgesuche von Menschen, die sich ihnen gegenüber zu erkennen geben, ernst zu nehmen. Allerdings: “Die Zeit rennt davon”, warnen die Organisationen. Es sei vollkommen unklar, bis wann und wie viele Rettungsflüge aus Kabul noch stattfinden würden. 

„Jetzt Schutz und Asyl für queere Menschen“

“Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in Afghanistan sind massiver LSBTI-feindlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung ausgesetzt. Sie erleben sexualisierte Gewalt, Folter, Zwangsheirat, Konversionsversuche, aber auch die Verweigerung von Schutz und medizinischer Versorgung”, so Alva Träbert vom queeren Beratungszentrum Rosa Strippe. 

Stephan Jäkel von der Schwulenberatung Berlin forderte außerdem, dass queere Menschen aus Afghanistan “jetzt Schutz und Asyl in Städten finden, in denen es staatliche Verfahren und Community-Angebote gibt, die die Ressourcen und Kompetenz haben, Unterstützung mit adäquaten und sensiblen Angeboten zu leisten”.