Absolute Mehrheit für Grüne bei LGBTI-Community

CDU/CSU würden bei dieser Wählergruppe an der Fünfprozenthürde scheitern

Plenum im Deutschen Bundestag
Deutscher Bundestag/Thomas Trutschel/photothek.net

Am 26. September wählt Deutschland einen neuen Bundestag. In Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) haben die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen, die Universität Wien und die Donau-Universität Krems ermittelt, wie die LGBTI-Community wählen würde. Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich vom Wahlverhalten der Mehrheitsbevölkerung – für die derzeitigen Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD wäre das Ergebnis ein Desaster. 

SPD bricht deutlich ein

So hätten die Grünen mit 52,5 Prozent der Befragten die absolute Mehrheit der Stimmen – CDU und CSU würden hingegen mit 3,2 Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern. Zweitstärkste Partei wäre die Linke mit 17,4 Prozent. Die SPD würde nur 9,1 Prozent wählen, die FDP käme auf 7,1 Prozent der Stimmen. Neben der Union würde auch die AfD mit 2.0 Prozent nicht in den Bundestag kommen. 

Den Wissenschaftler:innen fallen dabei besonders die Veränderungen im Vergleich zur letzten Bundestagswahl auf: Im Vergleich zu 2017 stieg die Zustimmung für die Grünen um 23 Prozent. Die Zustimmungswerte für die aktuellen Regierungsparteien waren auf ohnehin niedrigem Niveau “nicht einmal mehr halb so hoch”. Allerdings sank die Zustimmung zur SPD deutlich von 21,2 Prozent auf 9,1 Prozent. 

Schwule tendieren zu SPD, Lesben zu den Grünen

Die größte Teilgruppe der Befragten stellen schwulen Männer dar. Sie bevorzugen eher FDP oder SPD, auf niedrigem Niveau auch CDU/CSU und AfD: Während nur 2,4 Prozent der befragten Lesben bei der anstehenden Bundestagswahl die FDP wählen möchten, sind es unter den Schwulen 11,2 Prozent. Von der Zustimmung der lesbischen Frauen profitieren hingegen die Grünen mit 63,3 Prozent. 

Für Studienleiterin Dorothée de Nève liegt diese Entwicklung an der vorherrschenden Unnzufriedenheit von LGBTI-Wähler:innen mit der Politik der Großen Koalition – beispielsweise der Entscheidung des Bundestags, die Aufhebung des unzeitgemäßen Transsexuellengesetzes abzulehnen. 

Das geht auch aus den Begründungen für die Wahlentscheidung hervor, die die Teilnehmer:innen an der Studie hinterlassen konnten. Viele schrieben, dass sie sich für das “geringere Übel” entscheiden oder aber eine bestimmte Partei aus strategischen Gründen wählen. Es handele sich also oft um eine Art Negativauswahl, so die Wissenschaftler: Gewählt wird, was am Ende der Ablehnungen übrigbleibt. 

Weltweit größte LGBTI-Wahlstudie

Für ihre Umfrage haben die Wissenschaftler:innen vom 15. Juli bis zum 15. August 5149 wahlberechtigten homosexuellen, bisexuellen, asexuellen, pansexuellen und queeren Menschen die Frage gestellt: “Welche Partei werden Sie bei der Bundestagswahl am 26. September voraussichtlich mit ihrer Zweitstimme wählen?” 

Damit ist es im internationalen Vergleich die LGBTI-Wahlstudie mit dem bislang größten Sample weltweit. Beworben wurde die Umfrage über die Webseite der JLU, Soziale Medien und Multiplikatoren. 

De Nève zufolge gibt es in Deutschland schätzungsweise zwischen 1,8 und drei Millionen LGBTIQ-Wahlberechtigte. Es handle sich damit um “eine relevante Gruppe von Wählern und Wählerinnen”, betont die Wissenschaftlerin. Das Team um de Nève ermittelt bereits seit 2015 das Wahlverhalten der Community in Deutschland und Österreich.