Niederlande öffnen Blutspende für monogam lebende Schwule

Weitere Erleichterungen sollen folgen

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Männer, die seit zwölf Monaten in einer monogamen Beziehung mit einem Mann leben, können in den Niederlanden nun ohne Einschränkungen Blut spenden. Das hat die nationale Blutbank Sanquin am Mittwoch bekanntgegeben. Diese Erleichterung der Blutspende-Richtlinien wurde bereits im März angekündigt

Bis jetzt mussten schwule Männer vier Monate vor der Spende enthaltsam leben

Bis jetzt konnten Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), in den Niederlanden nur Blut spenden, wenn sie mindestens vier Monate vor der Spende enthaltsam leben. Das entspricht der Regelung in Österreich, auch wenn hier das Rote Kreuz als größte Blutspende-Einrichtung weiter auf zwölf Monaten Enthaltsamkeit besteht

Anders ist die Situation in den Niederlanden: Hier bemüht sich die Blutbank bereits seit 2015, für mehr homo- und bisexuelle Spender zu öffnen, so Sanquin-Chef Tjark Tjin-A-Tsoi. Nun werde die Risikoeinschätzung angepasst, wovon man sich einige Hundert zusätzliche Blutspender verspreche. In Österreich versucht das Rote Kreuz hingegen derzeit verzweifelt, durch eine aufwändige Kampagne, zusätzliche (heterosexuelle) Spender zu gewinnen. 

Die Regeln sollen weiter gelockert werden

Die vollständige Öffnung der Blutspende in den Niederlanden für monogam lebende schwule Männer soll dabei nur ein erster Schritt sein: Ab dem nächsten Jahr will man auch bei MSM ohne festen Partner die Regeln lockern und dabei die Spender stärker nach ihrem Risikoverhalten und nicht mehr nach ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen beurteilen. 

Hier sieht die niederländische Blutbank allerdings das Problem, dass die Fragen nach dem persönlichen Risikoverhalten die möglichen Spender:innen in Verlegenheit bringen oder verschrecken könnten. Oberste Priorität habe auf jeden Fall, dass sich Menschen, die auf Blutspenden angewiesen seien, sich weiter auf deren Sicherheit verlassen könnten. 

In anderen Ländern wie Spanien, Italien oder Ungarn ist bereits eine diskriminierungsfreie Blutspende möglich. Großbritannien kündigte im Juni an, Homo- und Heterosexuelle beim Blutspenden gleich zu behandeln. Israel öffnet die Blutspende für schwule Männer ab Oktober vollständig. In Österreich drückt sich das Gesundheitsministerium trotz eindeutig positiver Stellungnahmen bei einem parlamentarischen Hearing vor diesem Schritt.