20-Jähriger erfindet schwulenfeindlichen Angriff in Madrid

Trotz Anstieg der Angriffe auf LGBTI: Erfundener Angriff sorgte für Empörung

Sujetbild: Spanien
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Seine Geschichte hat ganz Spanien erschüttert: Acht vermummte Angreifer sollen mitten in Madrid einen 20-Jährigen am helllichten Tag angegriffen und ihm das Wort “maricón” (Schwuchtel) in seine blanke Pobacke geritzt haben. Die Politik reagierte empört, es gab Proteste. Nun stellt sich heraus: Die Attacke war frei erfunden. 

Am Mittwoch hat das mutmaßliche Opfer seine Aussage widerrufen

Wie die spanische Zeitung El País und der öffentlich-rechtliche Sender RTVE unter Berufung auf die Polizei berichten, habe das vermeintliche Opfer seine Aussage am Mittwoch widerrufen. Bei einer erneuten Befragung soll der 20-Jährige zugegeben haben, dass ihm ein Freund das Wort mit seiner Zustimmung in den Allerwertesten geritzt habe. 

Es ist eine peinliche und unangenehme Wendung in einem konstruierten Fall, der aber auf ein reales Problem aufmerksam macht: Denn auch in Spanien sind Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten allgegenwärtig. Erst im Juli hatten Angreifer den 24 Jahre alten Samuel In La Coruña als Schwuchtel beschimpft und dann ermordet. Die Tat empörte das ganze Land, spanienweit kam es zu zahlreichen Demonstrationen. 

Immer mehr Angriffe auf sexuelle Minderheiten

Nach Angaben der Madrider Beobachtungsstelle gegen LGBTI-Hass gab es dieses Jahr allein in der spanischen Hauptstadt bereits mehr als 100 homophobe Angriffe. Auch das katalanische Innenministerium sprach am Mittwoch von einer “Jagd” auf sexuelle Minderheiten. Alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in ganz Spanien 43 Prozent mehr Hassverbrechen gegen LGBTI-Menschen erfasst als im gesamten Vorjahr. 

Deshalb war die Empörung auch so groß, als dieser – falsche – Fall bekannt wurde: Pedro Sánchez, der spanische Ministerpräsident, hatte am Montag den Angriff noch aufs Schärfste verurteilt. Seine Regierung werde alles in ihrer “Macht stehende tun, um Hassverbrechen zu verhindern”, schrieb der 49-jährige Sozialdemokrat auf Twitter.  

Im Parlament rief Sánchez die Abgeordneten auf, ein Anfang des Jahres ein Gesetz zur Gleichbehandlung von Minderheiten so schnell wie möglich zu verabschieden. Dass der Angriff in Madrid nur vorgetäuscht war, nimmt diesen Bemühungen den Wind aus den Segeln – obwohl dieses Gesetz und ein konsequenter Plan gegen Hassverbrechen auch in Spanien notwendiger wäre denn je.