Premiere: Zwei trans Frauen im deutschen Bundestag

Tessa Ganserer und Nyke Slawik schreiben Geschichte

Tessa Ganserer
Tessa Ganserer

Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Bundestages werden zwei trans Personen in das deutsche Parlament einziehen: Tessa Ganserer aus Bayern und Nyke Slawik aus Nordrhein-Westfalen haben den Einzug am Sonntag erwartungsgemäß geschafft. 

Ganserer seit 2013 im bayerischen Landtag

Ganserer, die seit 2013 als erste trans Person eines deutschen Parlaments im Bayerischen Landtag sitzt, hat zwar erwartungsgemäß ihr Direktmandat verpasst – doch der 13. Platz auf der Grünen Landesliste hat gereicht: Aufgrund ihres guten Abschneidens kommen 17 Abgeordnete der bayerischen Grünen nach Berlin – darunter auch die 1977 im niederbayerischen Zwiesel Geborene. 

Ganserer, die sich Anfang 2019 als trans outete, musste übrigens aufgrund der rechtlichen Situation unter ihrem Deadname kandidieren. Denn Ganserer hat ihren Eintrag im Melderegister und auf ihrem Personalausweis noch nicht ändern lassen – eine bewusste politische Entscheidung. Denn das Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1980 schreibt dafür unter anderem zwei selbst zu bezahlende psychologische Gutachten vor, bevor ein:e Richter:in über den Namenswechsel entscheidet – für Ganserer ein entwürdigendes Prozedere. 

Auch Nyke Slawik kommt für die Grünen in den Bundestag

Neben Ganserer hat es auch die 27-jährige Nyke Slawik aus Leverkusen für die Grünen in den Deutschen Bundestag geschafft. “Ich hoffe, dass mein Einzug in den Bundestag ein Türöffner sein wird für alle, die sich von der Politik nicht gesehen und gehört fühlen”, so die trans Frau: “Vor 10 Jahren, als ich mich geoutet habe, kannte man trans Personen ausschließlich aus sensationsträchtigen Boulevardberichten, viele Leute machen sich über uns lustig und noch immer sind trans Personen häufig von Mobbing, Verlust des Arbeitsplatzes oder sogar Gewalt bedroht.” 

Dass nun trans Personen in den Bundestag einziehen, sei ein “wichtiger Schritt nach vorne und wird hoffentlich helfen, Vorurteile anzubauen, so Slawik weiter. Sie möchte sich im Bundestag dafür einsetzen, “diskriminierende Gesetze wie das Abstammungsrecht, das Blutspendeverbot für schwule, bisexuelle Männer und trans Personen oder das Transsexuellengesetz” zu ändern oder abzuschaffen. Weitere Schwerpunkte sieht sie in der Sozial- und Klimapolitik. 

Den Einzug in den Bundestag verpasst haben zwei weitere trans Kandidatinnen: Victoria Broßart, die ebenfalls für die bayerischen Grünen kandidiert hat, und die Brandenburger SPD-Kandidatin Ria Cybill Geyer sind nicht im neuen Parlament vertreten. Auch inter Kandidat:in Heinrich Alexandra Hermann von den Linken hat das Direktmandat im Wahlkreis Schwarzwald-Baar verpasst und wird nicht im 20. Deutschen Bundestag vertreten sein.