Sechs österreichische Konzerne für Öffnung der Blutspende

Unter Führung der Raiffeisenbank International: Petition für Blut spenden ohne Diskriminierung

Initiative für diskriminierungsfreie Blutspende
RBI

Namhafte österreichische Unternehmen haben heute gefordert, die Blutspende in Österreich diskriminierungsfrei zu gestalten. Pauschale Ausschlussregeln für homo- und bisexuelle Männer und trans Menschen sollten beseitigt werden, so die Forderung von sieben der größten Unternehmen Österreichs. 

Derzeit werden bestimmte sexuelle Minderheiten bei der Blutspende diskriminiert

Derzeit sind trans Menschen in Österreich vollständig von der Blutspende ausgeschlossen; Männer, die Sex mit Männern müssen mindestens vier Monate nach ihrem letzten gleichgeschlechtlichen Sex warten, bis sie Blut spenden können. Damit werden diese Gruppen – unabhängig von ihrem persönlichen Risiko – diskriminiert. Das wollen die Konzerne ändern. 

„Wir fordern eine moderne, sichere und diskriminierungsfreie Blutspendepraxis in Österreich. Sie soll sich am Risikoverhalten der Spenderin bzw. des Spenders orientieren, nicht aber an deren sexueller Orientierung“, so Johann Strobl, CEO der Raiffeisenbank International (RBI), die die Aktion auch initiiert hat – aus einem traurigen Anlass. 

Die Initiative hat einen traurigen Hintergrund

So hat ein RBI-Mitarbeiter zu Beginn dieses Jahres seinen Lebensgefährten an Covid-19 verloren: Beide waren erkrankt, der Lebensgefährte musste allerdings bald intensivmedizinisch behandelt werden und benötigte Blutplasma mit Covid-Antikörpern. Doch aufgrund der geltenden Blutspenderegeln durfte ihm sein genesener Partner nicht einmal in dieser Notsituation Blut spenden. 

Daraufhin entschloss sich der RBI-Mitarbeiter, mit Unterstützung der LGBTIQ+-Gruppe der RBI, die Initiative zu ergreifen – mit Erfolg: “Wir plädieren statt des pauschalen Ausschlusses für die gezielte Befragung aller Spender*innen nach ihrem individuellen Risikoverhalten”, so Strobl weiter: “Damit wollen wir ein Zeichen gegen Diskriminierung und für mehr Inklusion und Chancengleichheit setzen.”  

Raiffeisen-Chef kritisiert Rotes Kreuz

Dabei kritisiert der RBI-Chef auch das Rote Kreuz, Österreichs größte Blutspendeorganisation. Der vom Roten Kreuz verwendete Anamnesebogen “widerspreche allerdings im Umgang mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten dem Ziel, den Mitarbeiter*innen der jeweiligen Unternehmen ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu ermöglichen”, wie es in einer gemeinsamen Erklärung heißt. Derzeit gilt beim Roten Kreuz noch eine Wartefrist von zwölf Monaten, die Männer keinen Sex mit anderen Männern gehabt haben dürfen. 

„Es versteht sich von selbst, dass bei Blutprodukten keine Kompromisse bei der Sicherheit gemacht werden dürfen“, betont Andrea Brunner von der Aids Hilfe Wien. Allerdings zeigten die Regelungen in Israel, Ungarn, Großbritannien, Brasilien, Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal oder Spanien, dass eine Einschätzung der Eignung als Blutspender:in nicht nach dem Geschlecht der Sexualpartner:innen, sondern nach dem persönlichen Risikoverhalten möglich ist. 

Auch A1, IKEA oder Microsoft unterstützen die Initiative

Neben der RBI unterstützen auch A1 Telekom Austria, Accenture Österreich, Avanade Österreich, IKEA Austria, Microsoft Österreich und PwC Österreich die Initative. Das ist durchaus bemerkenswert – gelten die RBI und die Telekom doch als ÖVP-nahe, und die Volkspartei hat sich bis jetzt immer gegen die diskriminierungsfreie Blutspende ausgesprochen. 

In den nächsten Tagen wollen die Konzerne Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein von den Grünen die Petition für eine diskriminierungsfreie Blutspende persönlich übergeben. Darin fordern die Unternehmen den Minister zu einer klarstellenden Änderung der Blutspenderverordnung auf, um so bei ihrer Anwendung das Ziel der Sicherheit von Blutspenden mit dem Anspruch auf Diskriminierungsfreiheit zu verbinden. 

Die Unterzeichner der Petition gehen auch davon aus, dass die derzeit geltende Blutspendeverordnung den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs widerspreche, da er Männer, die Sex mit Männern habe, bei der Blutspende unverhältnismäßig diskriminiere.