Prozess um toten Seelsorger: Angeklagter gesteht Beteiligung

Die Tat soll aber ein anderer verübt haben

Reinhold Zuber
Polizei Berlin

Im Prozess um den Tod des ehemaligen Pastors Reinhold Zuber hat nun der Hauptangeklagte sein Schweigen gebrochen – und einen flüchtigen Verdächtigen belastet. Das berichtet die Bild-Zeitung. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Die Anklage lautet auf Mord

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21 Jahre alten Vandam G. und einem zweiten Angeklagten vor, den 77 Jahre alten Seelsorger Reinhold Zuber aus Habgier geschlagen, getreten und schließlich mit einem Kissen erstickt zu haben. Die Anklage lautet auf Mord.  Der zweite Angeklagte dürfte zum Zeitpunkt der Tat allerdings nicht in Deutschland gewesen sein

Vor der Jugendkammer des Berliner Landgerichts hat Vandam G. bis jetzt immer seine Unschuld beteuert. Nun wurde von seinem Anwalt Robert Tietze ein Geständnis verlesen, das seine Sicht der Dinge schildert: Dabei gibt er seine Beteiligung an der Tat zu, belastet aber einen dritten Verdächtigen, den 23-jährigen Vasile B., der sich nach Rumänien abgesetzt haben soll. 

Aus einer einschlägigen Bar ging es in die Wohnung des Seelsorgers

Der Erklärung zufolge habe Vandam G. den 77-Jährigen am 30. Juni 2020 im “Tabasco”, einer einschlägig bekannten Schwulenkneipe in der Fuggerstraße kennengelernt. Gemeinsam mit Vasile B. ging es zur Wohnung des ehemaligen Geistlichen in Berlin-Moabit. Dabei sei es “um sexuelle Dienste, für die er uns bezahlen wollte” gegangen, so der 21-Jährige. 

Doch im Wohnzimmer sei es dann zum Streit gekommen, weil der Angeklagte keinen Oralverkehr machen wollte. “Ich habe Herrn Zuber geschubst, als er mich am Arm festhielt. Dann ist Herr Zuber hingefallen”, behauptet der Angeklagte. Dabei soll der 77-Jährige laut geschrien haben – die Situation eskalierte. 

„Es war laut und chaotisch“

Vasile B. soll von hinten auf den Ex-Pastor gesprungen sein und ihn zu Boden gebracht haben, so der 21-Jährige in seinem Geständnis. Er soll auch versucht haben, ihm den Mund zuzuhalten. “Es war laut und chaotisch. Vasile hat dann auf seinen Schultern und Brustkorb gekniet”, erinnert sich der Angeklagte.  

Vandam G. zufolge wollte Vasile B. den Angeklagten knebeln, deshalb habe er ein Geschirrtuch aus der Küche geholt. Das habe Vasile B. dem 77-Jährigen in den Mund gesteckt und ihm danach wieder den Mund zugehalten, behauptet der Angeklagte in seiner Erklärung. 

Das Opfer soll sich heftig gewehrt haben

Zuber habe sich heftig gewehrt, soll Vasile B. auch gekratzt haben. “Dann hat sich Herr Zuber gar nicht mehr gewehrt. Wir haben dann das Geschirrtuch aus seinem Mund gezogen und gemerkt, dass er nicht mehr atmet”, zitiert Bild aus der Erklärung von Vandam G. Noch in der Nacht habe er seine Sachen gepackt und sei in seine Heimat Rumänien geflüchtet. 

Vandam G. und der zweite Angeklagte wurden im August 2020 in ihrer Heimat Rumänien festgenommen und nach Berlin ausgeliefert, wo sie seitdem in Untersuchungshaft sitzen. Vasile B. wird noch immer in Rumänien vermutet.