Schweiz: Initiative will „Homo-Heilern“ das Handwerk legen

Behandlungen führen "zu großem Leiden, psychischen Schäden bis hin zur Suizidalität"

Bundeshaus Bern
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In der Schweiz sind weiterhin Gruppierungen tätig, die vorgeben, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Menschen verändern zu können. Nun versuchen zwei parlamentarische Initiativen, diesen Scharlatanen das Handwerk zu legen – ganz nach dem Vorbild Frankreichs, wo in der Nacht auf Mittwoch über ein Verbot solcher Methoden abgestimmt wurde. 

LGBTI-Vereine warnen: „Homo-Heiler“ kommen aus Deutschland in die Schweiz

Denn solche “Konversionstherapien” seien nicht nur unwirksam, sondern auch extrem schädlich, warnen die Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross, der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und Transgender Network Switzerland (TGNS) in einer gemeinsamen Presseaussendung. 

Sie warnen: Seit im Juni 2020 in Deutschland solche Behandlungen und die Werbung dafür verboten wurde, sind solche Gruppierungen verstärkt in der Schweiz unterwegs. So habe sich unter anderem die Gruppierung “Bruderschaft des Weges” in die Schweiz abgesetzt und im Mai 2020 einen Verein gegründet. Damals betonte die Gruppe, keine “Konversionstherapien” anzubieten. “Wir müssen niemanden missionieren und sind nicht als ‘Homo-Heiler’ einzuordnen”, so Markus Huber von der “Bruderschaft des Weges” damals zu 20 Minuten

Schweizweites Verbot von „Homo-Heilungen“ gefordert

Dass solche Organisationen nach dem Verbot in Deutschland in die Schweiz wechselten, sei ein Zeichen, dass ein Verbot von “Konversionstherapien” auf Kantonsebenen nicht reiche, betont Muriel Waeger, Co-Geschäftsführerin der LOS und Romandie-Verantwortliche von Pink Cross: “Ein kantonaler Flickenteppich bringt wenig, da Anbieter*innen von solchen Konversionsmassnahmen einfach in einen anderen Kanton ziehen würden.” 

Sie fordern ein schweizweites Verbot von “Homo-Heilungen”. Der Schweizer Bundesrat sieht bis jetzt allerdings keinen Handlungsbedarf, das Parlament hat über entsprechende Forderungen bisher nicht entschieden. Deshalb haben SP-Nationalrätin Sarah Wyss und SP-Nationalrat Angelo Barrile, Vorstandsmitglied von Pink Cross, jeweils eine parlamentarische Initiative für ein Verbot von Konversionshandlungen eingereicht.  

Zwei SP-Abgeordnete ergreifen die Initiative

Sie fordern, dass das Anbieten, Vermitteln und Bewerben von Konversionsmaßnahmen verboten werden. “Bei Betroffenen führen solche Konversionsmaßnahmen zu großem Leiden, psychischen Schäden bis hin zur Suizidalität. Wir dürfen das in der Schweiz nicht zulassen. Deshalb fordern wir ein strafrechtliches Verbot und ein Arbeitsverbot für Anbieter und Anbieterinnen solcher unnützen und schädlichen ‘Therapien’”, so Wyss.  

Barrile ergänzt: “Speziell Minderjährige und junge Erwachsene sind davon betroffen. Sie werden meist von ihrer Familie und ihrem Umfeld zu solchen Konversionsmaßnahmen gedrängt. Zu ihrem Schutz ist ein explizites Verbot dringend notwendig, da es abschreckend-präventiv wirkt und weiteren Schaden verhindert.” 

Hilfreiche und sinnvolle Unterstützungsangebote sowie Therapien von strafrechtlich relevanten Sexualpräferenzen und Verhalten sollen nicht vom Verbot betroffen sein, betont Alecs Recher, Leitung Rechtsberatung von TGNS: “Professionelle und ergebnisoffene Begleitungen von Personen, die mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität hadern, bleiben weiterhin möglich.” Auch medizinisch indizierte Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung, wie sie besonders für trans Personen sehr wichtig sind, sollen nicht verboten werden, betont Recher.