Schweiz: Bergbahn verweigert Regenbogenfamilie Ermäßigung

Familien-Ticket nur für "Traditionsfamilien" - Bergbahnen-Chef entschuldigt sich inzwischen

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In der Schweiz ist einer Regenbogenfamilie aus Holland das Familienticket einer Bergbahn verweigert worden – weil sie „keine Traditionsfamilie“ seien, berichtet unter anderem die Gratis-Zeitung 20 Minuten. Nachdem der Fall öffentlich geworden ist, verspricht die Geschäftsführung der Bergbahn nun Besserung.

„Für solche Familien“ gäbe es keine Tickets, sagte die Dame am Schalter

Der Vorfall ereignete sich vor etwa zwei Wochen: Benjamin S., sein Ehemann und ihre beiden Kinder wollten mit den Aletsch Bahnen auf das Eggishorn im Kanton Wallis und von dort aus weiterwandern.

Doch am Schalter kam es zum Eklat: Die Angestellte verweigerte der Regenbogenfamilie das Familien-Ticket – mit der Begründung, dieses gäbe es nur für „Traditionsfamilien“ – also solche, die Vater und Mutter hätten. Die beiden Männer hätten ihr Glück zwar „online versuchen“ können. Von ihr gäbe es „für solche Familien keine Tickets“, zitiert der 44-jährige Regenbogenvater. auf Facebook die Frau am Ticketschalter.

„Mir wurde noch nie so deutlich ins Gesicht gesagt, dass meine Familie minderwertig sei“

„Mir wurde noch nie so deutlich und klar direkt ins Gesicht gesagt, dass meine Familie minderwertig sei, nur weil wir zwei Männer sind“, ärgert sich Benjamin S. auf Facebook weiter. Seine Töchter hätten geweint, er sei wütend gewesen. Erst nachdem sich andere Gäste eingemischt hätten und die Schalterkraft vier Mal mit ihrem Chef telefoniert hätte, gab es doch noch ein Familienticket für die Regenbogenfamilie.

Besonders bitter: Sebastian S. und sein Partner verbringen ihre Ferien bereits seit 20 Jahren in der Gegend, seit mehr als zwölf Jahren besitzen sie sogar ein Ferienhaus in der Region – aber an diesem Tag habe man sich zum ersten Mal ausgeschlossen gefühlt. Die Diskriminierung traf ihn „unerwartet und sehr hart“ und habe in ihm eine Mischung aus Unglauben, Wut, Verlorenheit und Trauer ausgelöst.

Auch Alessandra Zenklusen, Co-Präsidentin des Vereins Queer Wallis hat der Vorfall „sprachlos und zutiefst traurig“ gemacht. „Es ist diskriminierend, dass eine Familie ausgestossen wird, nur weil sie nicht den eigenen Wertvorstellungen einer traditionellen Familie entspricht“, sagte die dem Walliser Boten, der als erste Zeitung über die Diskriminierung berichtet hatte.

Chef der Bergbahnen entschuldigt sich und bedauert den Vorfall

Mittlerweile haben auch die Bergbahnen reagiert. „Wir bedauern den Vorfall zutiefst“, schreibt Valentin Kölnig, CEO der Aletsch Bahnen AG auf Facebook. Es seien alle Gäste willkommen, „selbstverständlich auch Regenbogen-Familien“. Die Ereignisse werde man intern aufarbeiten.

Außerdem meldete sich König bei Sebastian S.: „Er hat sich von dem, was passiert ist, ganz klar distanziert“, so der 44-Jährige.Dabei klang er authentisch: „Für mich ist die Sache damit erst mal abgetan.“ Besonders freuen würde Sebastian S. nun ein deutliches und sichtbares Bekenntnis der Bergbahnen: „Sie könnten zum Beispiel eine Regenbogen-Gondel installieren – das wäre ein klares Statement“, sagte er 20 Minuten.