Donnerstag, 18. April 2024
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Datenschutz: Grindr zwingt interessierte User, sich zu outen

Informationen über die Verwendung der eigenen Daten gibt's nur gegen Vorlage eines Ausweises, den Grindr gar mit dem Profil nicht abgleichen kann

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Die unter schwulen und bisexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr ist ins Visier des österreichischen Datenschützers Max Schrems geraten. Grund: Wer wissen will, wie die App seine Daten verwendet, muss seine Identität preisgeben – und sich so outen, wie der Standard berichtet.

Wer wissen will, welche Daten Grindr sammelt, braucht ein Selfie mit Ausweis

Um sich auf Grindr zu registrieren, reichen eine E-Mail-Adresse und ein Passwort – Klarnamen sind auf der Plattform eine Seltenheit. Das liegt bei einer Dating-Plattform für Männer wohl auch in der Natur der Sache. Grindr weiß so auch nicht, wer wirklich hinter einem Account steckt – außer, man will auf Basis der DSGVO Einblicke in die Verwendung seiner Daten haben.

Denn dafür verlangt Grindr, dass man sich mit einem amtlichen Ausweis identifiziert, wie ein User erfahren hat, der nun deshalb Beschwerde bei der österreichischen Datenschutzbehörde eingebracht hat: Das US-Unternehmen mit chinesischem Hintergrund verlangte ein Selfie des Mannes mit seinem Reisepass und seiner E-Mail-Adresse auf einem Zettel, um ihm die Daten preiszugeben.

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Grindr kann das Profil gar nicht mit dem Ausweis abgleichen

Das widerspreche nicht nur dem Grundsatz der Datenminimierung, sondern sei auch mit dem gesamten Konzept des Produkts unvereinbar, kritisiert die Datenschutz-NGO Noyb rund um Max Schrems, die den Mann vertritt. „Auf Grindr kann man nach Angabe einer E-Mail-Adresse und eines Passworts die intimsten Bilder sehen und versenden – wenn man jedoch seine eigenen Grundrechte ausüben möchte, muss man sich entblößen und sogar einen Ausweis herzeigen“, ärgert sich Schrems.

Und das, obwohl Grindr den Ausweis ohnehin nicht mit dem Profil abgleichen kann: „Es ist lächerlich, ‚Hunk 69‘ mit einem Lichtbildausweis zu authentifizieren, wenn Grindr den echten Namen gar nicht kennt“, so Schrems: „Damit verlangen sie ein Coming Out ihrer Nutzerinnen und Nutzer, wenn diese ihre Rechte ausüben möchten.“ Als Alternative hat Grindr dem Nutzer empfohlen, sein Profil zu löschen. Stattdessen entschied sich der Mann für den Rechtsweg.

Es ist nicht das erste Datenschutzproblem von Grindr: Für die unerlaubte Weitergabe ihrer Daten an Dritte wurden sie bereits im Jänner von der norwegischen Datenschutzbehörde zu einer Millionenstrafe von umgerechnet fast zehn Millionen Euro verurteilt.

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