Dienstag, 23. Juli 2024
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Kämpfer gegen Ungleichheiten: Desmond Tutu ist tot

Der ehemalige Erzbischof war auch ein Verbündeter der LGBTI-Community

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Der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu ist tot. Er sei im Alter von 90 Jahren gestorben, teilte die südafrikanische Regierung am Stefanitag mit. Neben seinem lebenslangen Kampf gegen die Apartheid, die Rassentrennung in Südafrika, war Tutu auch ein zuverlässiger Verbündeter im Kampf gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten.

Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren friedlich verstorben

Er sei friedlich im Pflegezentrum Oasis Frail in Kapstadt verstorben, teilte Ramphela Mamphele, die Vorsitzende des Erzbischof Desmond Tutu IP Trusts, im Namen der Familie mit. Tutu wurde am 7. Oktober 1931 in Klerksdorp westlich von Johannesburg geboren. Er arbeitete zunächst als Lehrer, bevor der 1961 zum anglikanischen Priester geweiht wurde.

Nach einem Aufenthalt in England kehrte er 1975 nach Südafrika zurück und engagiete sich auch politisch gegen die Apartheit. Ein Jahr später wurde er Bischof von Lesotho, 1978 Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats (SACC), einer der wichtigsten Institutionen im Kampf gegen die Apartheid. Im Jahr 1986 wurde er schließlich als erster Schwarzer Erzbischof von Kapstadt. 

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Tutu kämpfte für ein gleiches und gerechtes Südafrika

In dieser Funktion war er maßgeblich am gewaltfreien Ende des rassistischen Apartheid-Systems beteiligt. Als Präsident Frederik Willem de Klerk im Herbst 1989 den Dialog mit der schwarzen Bevölkerung aufnahm, war Desmond Tutu einer seiner ersten Gesprächspartner. Im Jahr 1984 bekam Tutu für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregimeden Friedensnobelpreis.

Nachdem er 1996 von seinem Amt als Erzbischof zurückgetreten war, war Desmond Tutu Vorsitzender der südafrikanischen „Wahrheitskommission“. Diese sollte Verbrechen im Apartheid-Staat zwischen 1960 und 1994 aufklären. Im Jahr 2010 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück – und meldete sich trotzdem regelmäßig zu Fehlentwicklungen zu Wort.

Eine deutliche Stimme gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten

Weit über Südafrika hinaus galt er als moralische Instanz: So engagierte er sich unter anderem gegen Korruption, für Aids-Kranke und setzte sich für LGBTI-Rechte ein: So sagte er einmal, er werde niemals einen „homophoben Gott“ anbeten und lieber in die Hölle kommen. Er wende sich gegen die Ungerechtigkeit, der Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt seien „mit der gleichen Leidenschaft, mit der ich mich gegen die Apartheid gestellt habe“.

Auch beteiligte er sich an der UNO-Kampagne „Free & Equal“, die für die Gleichbehandlung queerer Menschen warb. Als Uganda im Jahr 2012 ein extrem homophobes Gesetz verabschieden wollte, meldete sich Tutu deutlich zu Wort: „Meine Brüder und Schwestern, Ihr wart solidarisch mit den Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe unterdrückt wurden. Wenn Ihr aufrichtig sein wollt vor dem Herrn, müsst Ihr auch für diejenigen Menschen da sein, die für etwas unterdrückt werden, für das sie nichts können: ihre sexuelle Orientierung“, sagte er.

Im Juni 2020 kritisierte Desmond Tutu anlässlich des Todes von George Floyd den weltweiten „Alltagsrassismus“. Floyds letzte Worte „Ich kann nicht atmen“ sprächen „für Milliarden Menschen, die man ihrer Rechte beraubt hat, weil sie arm, schwarz, eine Frau, homosexuell sind oder einen ‚anderen‘ Glauben haben“, so die Organisation des emeritierten anglikanischen Erzbischofs.

Zahlreiche internationale Reaktionen zum Tod von Desmond Tutu

Zahlreiche Persönlichkeiten aus aller Welt reagierten betroffen auf den Tod von Desmond Tutu. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama würdigte den Friedensnobelpreisträger als „Mentor, einen Freund und einen moralischen Kompass für mich und so viele andere.“ Die Queen erinnerte an seine „große Herzlichkeit und seinen Humor“, den sie bei mehreren Treffen erlebt habe.

Das Nobelpreiskomitee sprach in einer Stellungnahme von einer „betrüblichen Nachricht“.Auch Papst Franziskus, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, sei betrübt über das Ableben Tutus, heißt es in einem Beileidstelegramm von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Sonntag. 

Der Tod Tutus sei ein weiterer „schmerzlicher Verlust“ in einer Generation außergewöhnlicher Persönlichkeiten, die ein freies Südafrika geschaffen hätten, hieß es in einer Würdigung von Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa. Tutu hinterlässt seine Frau Leah, einen Sohn und drei Töchter – darunter auch Mpho Tutu van Furth, die ihm ins Priesteramt nachfolgte und mit der Niederländerin Marceline van Furth verheiratet ist. Nach ihrem öffentlichen Outing musste sie aber ihr Priesteramt aufgeben.