Friedrich Merz befürwortet Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare

Der künftige CDU-Chef gibt sich betont liberal

Friedrich Merz
Olaf Kosinsky - CC BY-SA 3.0

Bis jetzt ist der designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz nicht gerade durch seine Offenheit gegenüber sexuellen Minderheiten aufgefallen. Doch nun hat er mehreren Medien gegenüber eine Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare befürwortet – handelt es sich dabei um einen echten Kurswechsel oder nur um den Versuch, sich ein liberaleres Image zu geben?

Merz habe seine Meinung geändert, sagt er in zwei Interviews

Früher habe er die Adoption von Kindern durch schwule und lesbische Paare „kritisch gesehen“, erklärte Merz der F.A.S. – doch nach dem Lesen von Studien habe er seine Meinung geändert. Die Studien machten dem Politiker klar, „dass die Zuwendung, die Kinder brauchen, nicht davon abhängt, ob die Eltern homosexuell oder heterosexuell sind“.

Auch in einem Interview mit der ARD hatte Merz diese Ansicht vertreten. In der Sendung „Farbe bekennen“ meinte er auf die Frage der Journalistin Tina Hassel, ob in Zukunft auch unverheiratete gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen: „Das ist ein Thema, das wir schon seit längerer Zeit diskutieren. Spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.“

„Manche homosexuelle Paare sind vermutlich bessere Eltern als manche heterosexuellen“

„Manche homosexuelle Paare sind vermutlich bessere Eltern als manche heterosexuellen“, so die Schlussfolgerung des künftigen CDU-Chefs. Seinen Meinungswandel erklärte er mit dem Satz: „Konservativ sein heißt eben auch, immer offen zu sein für gute Argumente“.

Derzeit dürfen in Deutschland unverheiratete Paare die Kinder ihrer Lebenspartner:innen als Stiefkinder adoptieren. Das gilt auch bei lesbischen Ehepaaren, währen bei schwulen Ehepaaren der Ehemann sofort als Mit-Vater anerkannt wird.Ein gemeinsames Adoptionsrecht für unverheiratete Paare, egal ob hetero- oder homosexuell, gibt es nicht.

In der Vergangenheit fiel Merz eher durch homophobe Äußerungen auf

In der Vergangenheit war Merz immer wieder durch homophobe Äußerungen aufgefallen. So hatte er zur Jahrtausendwende die Einführung eingetragener Partnerschaften für schwule und lesbische Paare strikt abgelehnt. Diese sei ein Angriff auf die heterosexuelle Familie. „Die werden wir nicht akzeptieren!“, so Merz damals.

Nach dem Coming-Out des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit von der SPD witzelte Merz: „Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal“ Als er letztes Jahr auf diese Äußerung angesprochen wurde, distanzierte sich der heute 66-Jährige von seiner damaligen Aussage.

Im September 2020 rückte er Homosexualität in die Nähe von Pädophilie. Auf die Frage, ob er Vorbehalte gegen einen schwulen Bundeskanzler habe, sagte er: „Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft. An der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht.“