Israel öffnet Leihmutterschaft auch für schwule Paare

„Heute schreiben wir Geschichte“, so Gesundheitsminister Horowitz

Symbolbild: Regenbogenfamilie
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Ab dem 11. Jänner können in Israel auch Singles und gleichgeschlechtliche Paare mit Hilfe einer Leihmutter Kinder bekommen. Eine entsprechende Gesetzesänderung, mit der jeder israelische Bürger auf diese Weise eine Familie gründen kann, wurde gestern von Gesundheitsminister Nitzan Horowitz von der sozialdemokratischen Meretz-Partei präsentiert.

Öffnung des Leihmutter-Systems wurde vom Gericht verordnet

„Heute schreiben wir Geschichte“, gibt sich der offen schwule Gesundheitsminister vor Journalist:innen selbstbewusst: „Es ist ein historischer Tag für den Kampf von LGBT in Israel, des langen Kampfes um Gleichheit für jeden Menschen und ein historischer Tag für die ganze israelische Gesellschaft“. Mit der Änderung folgt die israelische Regierung einer Entscheidung des Höchstgericht aus dem letzten Jahr. Dieses hatte im Juli die bisherige Regelung als Verstoß gegen die Menschenrechte bezeichnet und ein Änderung innerhalb von sechs Monaten vorgegeben.

Besonders für schwule Paare gibt es nun deutliche Erleichterungen: Zwar stand gleichgeschlechtlichen Paaren der Weg zur Elternschaft über eine Leihmutter auch bisher offen, allerdings unter strengen Auflagen. Viele Paare haben sich deshalb einer Leihmutter im Ausland bedient – was teuer und kompliziert war.

Elternschaft als Menschenrecht

In der Community wird die neue Regelung begrüßt. „Das Recht, Eltern zu werden, ist ein Grundrecht für jede Person. Heute schreiben wir Geschichte und nehmen eine historische Hürde im Kampf für gleiche Rechte“, so die LGBTI-Organisation Aguda auf Twitter in einer ersten Stellungnahme.

Auch weiterhin müssen Interessierte einen offiziellen Antrag stellen. Dann entscheidet ein Komitee über die Eignung der künftigen Eltern sowie der Leihmutter. Horowitz betonte, dass man alles tun werde, um die Rechte der Leihmütter zu schützen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich in Israel etwa 100 Frauen pro Jahr zur Leihmutterschaft bereiterklärt.

Das neue Verfahren werde nun „den Traum vieler erfüllen, eine Familie zu gründen“, so der Gesundheitsminister weiter. Die neuen Regelungen spiegeln das geänderte Verhältnis des israelischen Staates zur LGBTI-Community wider. Heiraten können schwule und lesbische Paare in dem Land allerdings weiterhin nicht – es gibt in Israel keine Zivilehe. Im Ausland geschlossene Ehen werden aber anerkannt.