Israel: Leihmutterschaft für Singles und schwule Paare geöffnet

Damit wird eine historische Entscheidung des Obersten Gerichts umgesetzt

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Ab heute können sich in Israel auch schwule Männer und Paare mit Hilfe einer Leihmutter ihren Familienwunsch erfüllen. Die entsprechende Regelung tritt in Kraft, nachdem das Oberste Gericht Israels die alten Bestimmungen als menschenrechtswidrig aufgehoben hat.

Mit Verspätung wird eine Entscheidung des Höchstgerichts umgesetzt

Mit der neuen Regelung geht ein länger dauernder juristischer Streit zu Ende: Bereits im Februar 2020 hatte das Höchste Gericht zum ersten Mal entschieden, dass auch gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Männer ein Anrecht auf eine Leihmutter hätten. Das Gericht gab der damaligen Regierung ein Jahr Zeit, die alte Regelung zu reparieren – doch nichts geschah.

Daraufhin fällte das Gericht im Juli 2021 ein endgültiges Urteil – und setzte eine sechsmonatige Frist, in der die endgültigen Regeln festgelegt werden sollten. Nun, genau sechs Monate nach dem zweiten Gerichtsentscheid, tritt die neue Regelung in Kraft. Das liegt auch an der neuen Regierung: Gesundheitsminister ist der offen schwule Sozialdemokrat Nitzan Horowitz, der die Entscheidung des Gerichts als „historischen Tag“ bezeichnete.

Viele schwule Paare gingen bis jetzt ins Ausland, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen

Besonders schwule Paare werden von der neuen Regelung profitieren: Zwar stand gleichgeschlechtlichen Paaren der Weg zur Elternschaft über eine Leihmutter auch bisher offen, allerdings unter strengen Auflagen. Viele Paare haben sich deshalb einer Leihmutter im Ausland bedient – was teuer und kompliziert war. Das neue Verfahren werde nun „den Traum vieler erfüllen, eine Familie zu gründen“, so der Gesundheitsminister.

Auch weiterhin müssen Interessierte einen offiziellen Antrag stellen. Dann entscheidet ein Komitee über die Eignung der künftigen Eltern sowie der Leihmutter. Horowitz betonte bei der Vorstellung der neuen Regeln vor einer Woche, dass man alles tun werde, um die Rechte der Leihmütter zu schützen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich in Israel etwa 100 Frauen pro Jahr zur Leihmutterschaft bereiterklärt.

Die neuen Regelungen spiegeln das geänderte Verhältnis des israelischen Staates zur LGBTI-Community wider. Heiraten können schwule und lesbische Paare in dem Land allerdings weiterhin nicht – es gibt in Israel keine Zivilehe. Im Ausland geschlossene Ehen werden aber anerkannt.