Mainz: Gedenkstele für queere NS-Opfer geschändet

51-Jähriger schmierte Hakenkreuze auf das Mahnmal und strich Passagen des Textes durch

Sujetbild: Blaulicht eines Polizeiautos
Sujetbild - Adobe Stock

In Mainz ist am Donnerstag die Gedenkstele zum Gedenken an die queeren NS-Opfer mit zwei Hakenkreuzen geschändet worden. Das Mahnmal auf dem Ernst-Ludwig-Platz wurde erst vor einem halben Jahr eingeweiht. Es ist nicht der erste Anschlag auf die Stele – doch diesmal gibt es einen Tatverdächtigen.

Wie die Polizei mitgeteilt hat, soll ein 51-jähriger Mann aus Mainz zunächst mit einem Permanent-Marker ein schwarzes Hakenkreuz auf die Stele gemalt und auf dem eingravierten Text die Passage „Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transidente, Intergeschlechtliche und Queere“ haben. Dann hat er mit gelber Sprühfarbe ein zweites, unvollständiges Hakenkreuz aufgebracht.

Kurz nach der Tat konnte ein Verdächtiger ermittelt werden

Zeug:innen hatten die Tat beobachtet und die Exekutive verständigt. Wenig später konnte der 51-Jährige durch Polizeikräfte in Zivil festgenommen werden. Gegen den Mann wird nun wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

David Profit, der rheinland-pfälzische Landesbeauftrage für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, zeigt sich erschüttert. „Ich verurteile diese Taten aufs Schärfste. Die schwulen, lesbischen, bisexuellen, transidenten, intersexuellen und queeren Opfer von staatlicher Willkür, denen wir hier gedenken, wurden nun wiederholt angegriffen. Der Staat muss diese Taten mit aller Härte verfolgen und alles dafür tun, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden“, so Profit.

Die Stele wurde erst im Juli 2021 eingeweiht

Die Stele im Mainzer Regierungsviertel wurde am 21. Juli 2021 vom rheinland-pfälzischen Landtagspräsidenten Hendrik Hering von der SPD, Integrationsministerin Katharina Binz von den Grünen, dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling von der SPD und QueerNet-Vorstand Joachim Schulte eingeweiht. Zuvor hatte der Mainzer Stadtrat einstimmig beschlossen, einen Gedenkort für Menschen zu schaffen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung in der NS-Zeit oder danach verfolgt wurden.

Auch, wenn die Stele in Mainz erst vor einem halben Jahr eingeweiht wurde – es ist nicht der erste Anschlag auf das queere Mahnmal: Bereits Anfang August 2021 wurde die Stele mit roter Farbe besprüht. Die Ermittlungen in diesem Fall liefen noch, so die Mainzer Polizei. Bis jetzt gibt es hier noch keine Tatverdächtigen.