#OutInChurch: Rückhalt auch in Österreich

"Alle Menschen sind von Gott unbedingt geliebt"

Pfarrkirche Wien-Breitenfeld
Pfarrkirche Wien-Breitenfeld

Auch in Österreich gibt es Untersützung für die Initiative #OutInChurch: Am Montag haben sich mehr als 120 Mitarbeiter:innen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland öffentlich als nicht heterosexuell geoutet. Viele Organisationen und Würdenträger haben ihnen Unterstützung zugesichert, davon auch einige in Österreich.

Unterstützung durch die Jungschar und die Regenbogenpastoral

So hat die Katholische Jungschar Österreichs (KJÖ) der Initiative #OutInChurch ihre Unterstützung auf Facebook versichert: „Wir wünschen uns eine Kirche, die offen ist für alle, die Raum für Gemeinschaft und Vielfalt bietet – ohne Diskriminierung und Vorbehalte“, so KJÖ-Vorsitzender Martin Hohl.

Auch die Regenbogenpastoral Österreich unterstützt #OutInChurch. Deren Vorsitzender Franz Harant schreibt in einer Aussendung, er sei überzeugt, dass die Initiative eine befreiende Aktion für viele sei, „die sich als Teil der Kirche verstehen, die sie beruflich mitgestalten und prägen“ – so wie jeder Coming-out-Prozess auch einer Einzelperson Erleichterung bringe.

Die römisch-katholische Kirche müsse LGBTI-Personen in ihrer Würde als Mensch voll anerkennen, so Harant weiter. „Weil die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche Identität Teil der Person ist, darf niemand diskriminiert werden. Das christliche Menschenbild sagt, dass alle Menschen von Gott unbedingt geliebt sind“, so der Regenbogenpastoral-Leiter.

Auch aus der Katholischen Aktion kommen unterstützende Worte

Ebenfalls begrüßt wird die Initiative #OutInChurch vom Forum Beziehung, Ehe und Familie der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ). „Alte Vorurteile und falsche Botschaften zu Sexualität müssen endlich aufgearbeitet werden und die neuen theologisch-wissenschaftlichen und humanwissenschaftlichen Erkenntnisse müssen akzeptiert werden“, forderte die Forums-Vorsitzende Luitgard Derschmidt.

Es sei „unerträglich“, wenn Menschen einzig und allein auf ihre geschlechtliche Neigung festgelegt würden und ihnen der Wert und die Würde der Kinder Gottes in ihrem „So-Sein“ abgesprochen werde. „Niemand kann sich seine angeborenen Neigungen aussuchen“, so Derschmidt gegenüber Kathpress. Das Forum verstehe die Initiative „als kraftvollen Schritt in Richtung einer fälligen Selbstreinigung“.

Zulehner: „Das Herz des christlichen Glaubens hängt nicht von einer sexuellen Orientierung ab“

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner schreibt in seinem Blog: „Das Herz des christlichen Glaubens hängt nicht von einer sexuellen Orientierung ab, sondern ermutigt zu einem gewissenhaften Leben mit dieser“ Die Bibel sei nicht wortwörtlich zu lesen, sondern mit ethischem Lesen zu kombinieren. 

Auf jeden Fall solle gegenüber LGBTI-Personen die Grundbotschaft des Evangeliums vermittelt werden, „dass Gott jede einzelne Person liebt“. Der Kirchenleitung schreibt Zulehner ins Stammbuch: „Überprüft das Arbeitsrecht ebenso wie die Lehraussagen im Katechismus der Weltkirche.“ Auch bei der Todesstrafe oder beim Suizid sei die kirchliche Lehrposition revidiert worden.

Seitens der LGBTI-Community hat die HOSI Salzburg Betroffenen ihre Unterstützung zugesichert. „Sich am Arbeitsplatz zu outen ist für manche Menschen der LGBTIQ*-Community schon ein heikles Unterfangen; bei der Kirche als Arbeitgeber ist das noch um einiges schwieriger“, so Josef Lindner jun., Obmann der HOSI Salzburg. Der Verein tauscht sich immer wieder mit queeren Gläubigen aus, es gebe ein gutes Gesprächsklima und Kontakte in einige Bereiche der katholischen Kirche in Salzburg, so Lindner.