Aserbeidschan: Junger LGBTI-Aktivist vom eigenen Cousin ermordet

Er wurde in einen Teppich gewickelt von der Müllabfuhr ins Leichenschauhaus gebracht

Avaz Hafizli
Hamida Giyasbayli/Twitter

Der 24 Jahre alte Journalist und LGBTI-Aktivist Avaz Hafizli ist am Dienstagnachmittag in der aserbaischanischen Hauptstadt Baku von seinem gleichaltrigen Cousin ermordet worden. Das berichtet unter anderem das Online-Portal queer.de  unter Berufung auf lokale Medien.

Der 24-Jährige soll enthauptet worden sein

Polizeiangaben zufolge stand sein Cousin zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss, als er ihn im Stadtteil Sabunçu mit einem Messer tötete. Die Ermittlungen laufen noch. Den Behörden zufolge wurde Hafizli in einem Streit über „persönliche Dinge“ getötet. LGBTI-Aktivist:innen und Freund:innen des Opfers gegen allerdings von einem schwulenfeindlichen Hassverbrechen aus. 

Ihnen zufolge wurde Avaz Hafizli von seinem Cousin enthauptet, auch seien ihm die Geschlechtsteile entfernt worden. Die Leiche soll in einen Teppich gewickelt mit der Müllabfuhr ins Leichenschauhaus gebracht worden, da sich Polizei und Rettung geweigert hatten, den „unreinen Körper“ des 24-Jährigen anzugreifen und zu transportieren, so das britische Portal PinkNews .

Durch seinen Einsatz für die LGBTI-Community wurde er zur Zielscheibe

Hafizli war als Blogger und Journalist aktiv, unter anderem für den Online-Sender Kanal 13. In den letzten Jahren hatte er sich nach seinem persönlichen Outing auch für LGBTI-Themen eingesetzt: So hatte er sich letztes Jahr an das Gitter am Eingang der Staatsanwaltschaft in Baku angekettet, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Behörde nichts gegen LGBTI-feindliche Gewalt und Hetze unternimmt.

Die Kritik richtete sich vor allem gegen eine in Aserbeidschan einflussreiche Bloggerin, die gegen LGBTI-Menschen, vor allem aber gegen trans Frauen, hetzt – mit schrecklichen Konsequenzen: So wurde eine 27 Jahre alte trans Frau letzten August in einem Wald verbrannt. Nachdem die Bloggerin auch Hafizli in einem Video bedroht hatte, unternahm er letzten September einen Suizidversuch. 

Sexuelle Minderheiten in Aserbaidschan fürchten um ihre Sicherheit

Durch seinen Einsatz war er auch im Visier der aserbaidschanischen Sicherheitsbehörden. „Nachdem er an Demonstrationen für LGBTIQ-Rechte teilgenommen hatte, war er mit Polizeigewalt konfrontiert. Nach dieser öffentlichen Protestaktion begannen auch seine Familie und Angehörige, ihn zu bedrohen. Er wusste, dass er sich in Gefahr begeben hatte – aber er machte weiter“, so eine Aktivistin zu PinkNews.

Dem europäischen LGBTI-Netzwerk ILGA-Europe zufolge ist die Zahl der Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten in Aserbeidschan in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Als Konsequenz erhängte sich etwa 2014 ein 20-jähriger Aktivist in Baku mit einer Regenbogenflagge. Außerdem gibt es immer wieder staatliche Repression gegen die Community, etwa durch Massenfestnahmen queerer Menschen in den Jahren 2017 und 2019.