Hamburg: Suizid einer trans Frau im Gefängnis wirft Fragen auf

Mobbing und unzureichende psychologische Betreuung: Hätte der Tod verhindert werden können?

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Im Hamburger Gefängnis Fuhlsbüttel soll eine 52-jährige trans Frau Suizid begangen haben, weil sie von den anderen Häftlingen gemobbt wurde. Das berichtet die Bild-Zeitung .

Wegen ihrer Erscheinung soll die trans Frau gemobbt worden sein

Die trans Frau soll dem Bericht zufolge seit August 2021 wegen Körperverletzung und Beleidigung in der Justizvollzugsanstalt gewesen sein. Im Gefängnis soll sie überwiegend Frauenkleider getragen haben und sich – wenn möglich – die Haare gefärbt haben.

Das kam bei den anderen Häftlingen offenbar nicht gut an: Im Schreiben eines Mitgefangenen, das der Zeitung vorliegt, heißt es, dass die Frau in der Anstalt „ein sehr schweres Leben hatte“, weil sie von den männlichen Insassen „massiv gemobbt wurde“.

In Fuhlsbüttel herrschen strenge Haftbedingungen

Die Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel mit ihren 800 Häftlingen ist dafür bekannt, dass hinter den Mauern für deutsche Gefängnis ungewöhnlich harte Haftbedingungen herrschen. Erst Mitte Februar haben ehemalige Häftlinge schwere Vorwürfe gegen das Gefängnis erhoben. 

So gebe es in Fuhlsbüttel unter anderem eine unzureichende psychologische Betreuung der Inhaftierten, kritisierte der ehemalige Insasse Otto Floegel Mitte Februar gegenüber dem NDR : „Ich habe mehrere Suizide dort erlebt. Und viele hätten auch verhindert werden können“, behauptet er. Inwieweit auch die 52-Jährige davon betroffen war, ist nicht bekannt.

Das Hamburger Justizressort hält sich mit Informationen zu dem Fall zurück

Die Hamburger Justizbehörde bestätigte der Zeitung, dass es am Freitag, dem 25. Februar in Fühlsbüttel zu einem Todesfall gekommen sei. Dabei spreche vieles für einen Suizid, entsprechende Ermittlungen seien eingeleitet worden.

Zur Geschlechtsidentität des Opfers gab es aufgrund des „postmortalen Persönlichkeitsschutzes“ keine offizielle Bestätigung. Ob die Frau einen Antrag auf eine operative Geschlechtsanpassung gestellt hatte, ist Bild zufolge unklar. 

Weitere Einzelheiten zu dem Fall – etwa ob die trans Frau verlegt hätte werden können oder es eine generelle Anweisung gibt, wie Hamburg mit trans Häftlingen umgeht, gibt es nicht: Das Hamburger Justizressort beantwortete eine entsprechende Anfrage der Zeitung nicht.

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