Drag Queen Electra Pain mitten in der Frankfurter Innenstadt angegriffen

Nun fordern die Grünen mehr Polizei an der Konstablerwache

Electra Pain
Electra Pain/Instagram

Angriff auf eine Drag-Queen mitten in Frankfurt/Main: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)  berichtet, soll Electra Pain in der Nacht auf Sonntag an der Konstablerwache von einer „Horde junger Männer“ angegriffen worden sein. Sie musste ärztlich behandelt werden – nicht der erste Vorfall dieser Art.

Aus dem Nichts attackierte sie ein Unbekannter mit Pfefferspray

Wie sie ihren Instagram-Followern berichtete, ist Electra Pain gegen 0.30 Uhr zu Fuß auf der Großen Friedberger Straße unterwegs gewesen. Sie wollte in einen Club, dort warteten schon ihre Freunde auf sie. 

An der Konstablerwache sei sie stehengeblieben und habe mit Passanten geredet, erinnert sie sich – als plötzlich „ein fremder Typ aus der Ecke geschossen“ kam und ihr ohne erkennbaren Grund „zwei Stöße Pfefferspray mitten ins Gesicht“ gesprüht habe. Die Frankfurter Polizei berichtet sogar von zwei Angreifern.

„Manche haben mir dann geholfen, manche haben gelacht“

Trotz der brennenden Schmerzen habe sie versucht, die Angreifer zu verfolgen. Dabei wurde sie erneut mit Pfefferspray besprüht, worauf sie umgeknickt und gestürzt ist. Danach habe sich eine Gruppe um sie versammelt: „Manche haben mir dann geholfen, manche haben gelacht.“

Electra Pain versuchte nach dem ersten Schock, die Situation trotz ihrer zugeschwollenen Augen zu filmen – doch die Angreifer waren da schon geflohen. Nach ihnen wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung gefahndet, die Drag Queen hatte sie angezeigt. 

Die Videoüberwachung auf der Zeil soll der Polizei bei der Suche nach den Verdächtigen helfen. Doch auch Hinweise aus der Bevölkerung wären wichtig – bis Dienstag habe sich noch kein Zeuge gemeldet, so ein Polizeisprecher gegenüber der Frankfurter Rundschau .

Nicht der erste Angriff dieser Art in der Frankfurter Innenstadt

Es ist nicht der erste Angriff dieser Art: Im März 2021 war eine trans Frau ebenfalls in der Frankfurter Innenstadt, unweit vom aktuellen Tatort, auf dem Rückweg von einer Veranstaltung angegriffen worden. Sie wurde von einem Mann und zwei seiner Freunde zunächst transfeindlich beschimpft, dann schlug ihr der Mann drei Mal ins Gesicht. Auch im Herbst 2020 war ein 20 Jahre alter Queer auf der Zeil transphob beleidigt und schwer verletzt worden – der Vorfall endete in einer Massenprügelei.

Bei Electra Pain kümmerte sich ein Krankenwagen um ihre Verletzungen und spülte ihr die Augen. Einschüchtern lassen will sie sich durch den Angriff nicht – auch wenn der Schock noch tief sitzt, wie sie selbst zugibt. „Ich möchte weiter zeigen, dass die Welt bunt ist“, stellt sie in der FAZ klar. Doch auch sie merkt, dass die Aggressivität auch gegenüber queeren Menschen steigt: „Früher ist man beleidigt worden, jetzt wird es schnell handgreiflich.“

Polizeisprecher: „Horde junger Männer“

Gegenüber RTL Hessen bestätigte Polizeisprecher Thomas Hollerbach den Angriff: „Es soll wohl eine richtige Horde junger Männer gewesen sein, zehn- bis 15-köpfig an der Zahl“, sagte er – und stellte klar: „Wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Ethnie, sexuellen Orientierung angegriffen werden, das können wir nicht tolerieren und wir müssen sie besonders schützen.“

In der Frankfurter Lokalpolitik sorgte der Angriff für empörte Reaktionen. Dimitrios Bakakis, Chef der Grünen in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, nannte den Vorfall „unerträglich“. Die Konstablerwache sei „insbesondere in den Abend- und Nachstunden ein unsicherer Ort für bestimmte Menschen“ geworden, so der Grüne. 

Frauen und queere Menschen würden die Gegend zunehmend meiden oder versuchen, sich „unauffällig“ zu verhalten. Das sei nicht hinnehmbar: „Wir brauchen vor Ort mehr Präsenz der (Stadt)Polizei und wir brauchen dringend eine stärkere Zivilgesellschaft, die in solchen Fällen selbstverantwortungsbewusst einschreitet.“, schreibt er auf Facebook.