Kind über Leihmutter: Kirche feuert schwulen Domkantor

Der will sich nun vor Gericht gegen die Kündigung wehren

Symbolbild: Regenbogenfamilie
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In Braunschweig hat sich die evangelische Kirche fristlos von ihrem Domkantor getrennt, weil er gemeinsam mit seinem Ehemann eine Leihmutter beauftragen wollte. Nun wehrt sich der 56-Jährige, der diesen Posten mehr als 20 Jahre innehatte, gegen die Kündigung.

Mit einer Leihmutter wollten Münden und sein Mann sich den Traum von der eigenen Familie erfüllen

Gerd-Peter Münden, Domkantor von St. Blasii in Braunschweig, hatte vor, gemeinsam mit seinem kolumbianischen Ehemann in dessen Heimat eine Leihmutter zu beauftragen, ein Kind für das schwule Paar auszutragen. Das ist in Kolumbien legal, auch deren Inanspruchnahme im Ausland ist in Deutschland gestattet – widerspricht aber offenbar den ethischen Grundsätzen der evangelischen Kirche in Deutschland.

„Nach intensiver Prüfung der Sachverhalte und sorgfältiger Abwägung aller Begleitumstände ist der Vorstand der Domstiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein gedeihliches Zusammenwirken mit dem Domkantor nicht mehr möglich ist“, so der Vorstand der Domstiftung, dem auch Landesbischof Christopg Meyns angehört, in einer Stellungnahme.

Nun kam es zur fristlosen Entlassung

„Es gilt, jedem Anschein entgegenzuwirken, dass Frauen und Kinder zu Waren degradiert und in ihrer Menschenwürde beschädigt werden“, so der Vorstand weiter. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig kündigte deshalb Münden jetzt fristlos. Er war bereits vor zwei Wochen freigestellt worden. 

Damals soll er sich Medienberichten zufolge bereits von seinen Plänen zur Familienplanung distanziert haben. Er betonte außerdem, dass es sich um eine nicht-kommerzielle Leihmutterschaft gehandelt hätte – doch auch das rettete seinen Job nicht mehr.

Münden will sich vor Gericht gegen die Kündigung wehren

Gegenüber dem NDR  erklärte Münden, ihn habe die Kündigung überrascht. Er will sich nun arbeitsrechtlich dagegen wehren und kündigte an, eine Kündigungsschutzklage gegen die Kirche einreichen zu wollen. Den Umgang der Landeskirche, die mit 1. Jänner die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hatte, mit ihm, nannte er „enttäuschend“.

Gerd-Peter Münden arbeitete seit 1999 als Domkantor in Braunschweig. Außerdem komponiert er geistliche Lieder, Orgel- und Instrumentalmusik. Er leitete unter anderem die Braunschweiger Domsingschule, mit 21 Chören die größte Einrichtung für evangelische Kirchenmusik in Deutschland. Überregional bekannt wurde er mit der Aktion „Klasse! Wir Singen“, bei der er mit Liederfesten in großen Hallen Kinder für das Singen begeisterte.