Ariana DeBose: Erster Oscar für eine queere Afro-Latina

Nur ein Preis für "The Power of the Dog"

Ariana DeBose in West Side Story
Disney

Nur wenige queere Highlights brachte die Verleihung der 94. Oscars mit sich: Das vielgelobte queere Western-Drama „The Power of the Dog“ konnte nur einen Preis gewinnen. Leuchtende Ausnahme: Der Preis für die beste Nebendarstellerin geht mit Ariana DeBose an eine queere Afro-Latina.

Zum zweiten Mal gewann die Darstellerin der „Anita“ den Oscar

DeBose gewann den Oscar für ihre Rolle der Anita in Stephen Spielbergs „West Side Story“ – übrigens genauso wie Rita Moreno 1961 in der ersten Verfilmung des Musicals. Damit setzte sie sich unter anderem gegen Judi Dench und Kirsten Dunst durch. Moreno, mittlerweile 90 Jahre alt, war bei der Gala ebenfalls anwesend, DeBose bedankte sich bei ihr.

„Sie sehen hier eine offen queere, nicht-weiße Frau, eine Afro-Latina, die ihre Kraft und ihr Leben durch die Kunst gefunden hat“, sagte sie in ihrer Dankesrede, und fügte hinzu: „Allen, die jemals ihre Identität in Frage gestellt haben oder die sich in grauen Zwischenräumen wiederfinden, verspreche ich: Es gibt tatsächlich einen Platz für uns.“ 

„Selbst in dieser müden Welt werden Träume wahr“

Ihre Bilanz: „Selbst in dieser müden Welt, in der wir jetzt leben, werden Träume wahr, und das ich jetzt gerade ziemlich ermutigend.“ Für ihre Rolle der Anita hat Ariana DeBose bereits einen Golden Globe und einen Screen Actors Guild Award gewonnen. „West Side Story“ kann derzeit in den heimischen Kinos und über den Streaming-Dienst Disney+ gesehen werden.

Sonst verlief die Preisverleihung eher dröge. Gesprächsthema wurde ein Wutausbruch von Will Smith: Der hat dem Komiker Chris Rock auf der Bühne eine Ohrfeige gegeben, weil er einen Scherz über seine Frau Jada Pinkett-Smith gemacht hat. 

Diese leidet aufgrund einer Autoimmunerkrankung an Haarausfall -was Rock dazu brachte, ihr von der Bühne aus „G.I. Jane 2 – ich kann es nicht abwarten, das zu sehen“ zuzurufen. Bei seiner Auszeichnung als Hauptdarsteller für „King Richard“ entschuldigte sich Smith bei der Filmakademie und den anderen Nominierten für seinen Ausraster. 

Tragikomödie „Coda“ gewinnt den Oscar als bester Film

Den Oscar für den besten Film bekam die Tragikomödie „Coda“. Regisseurin Siân Heder erzählt darin von einem Mädchen, das als einzige Hörende in einer gehörlosen Fischerfamilie aufwächst. 

Das Remake des französischen Films „Verstehen Sie die Beliers?“ konnte neben dem Preis für den besten Film auch seine anderen beiden Nominierungen für das beste adaptierte Drehbuch“ und den besten Nebendarsteller – mit Troy Kotsur der erste gehörlose Preisträger – in Oscars ummünzen.

Nur einen Oscar gab es hingegen für das queere Western-Drama „The Power of the Dog“, das insgesamt zwölf Mal nominiert war. Letztendlich überzeugte aber nur Regisseurin Jane Campion die Akademie.

„Don’t say gay“-Gesetz in Florida als politisches Thema

Zu den politischen Themen, die bei der Oscar-Verleihung erwähnt wurden, zählte unter anderem das „Don’t say gay“-Gesetz in Florida. Es verbietet unter anderem, mit Kindern bis zur dritten Klasse über Themen wie sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu sprechen.

Schon im Eröffnungsmonolog der Preisverleihung meinte Wanda Sykes, selbst lesbisch und gemeinsam mit Amy Schumer und Regina Hall eine der drei Gastgeberinnen: „Wir werden eine großartige Nacht haben. Und für die Leute in Florida: We are going to have a gay night!

Beste Hauptdarstellerin kritisiert „bigotte Gesetzgebung“

Auch Jessica Chastain, die für ihre Rolle in „The Eyes of Tammy Faye“, einer Filmbiografie über eine tolerante TV-Predigerin, mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, kritisierte das Gesetz. 

„Wir sind mit Diskriminierung und einer bigotten Gesetzgebung konfrontiert, die über unser Land mit dem Ziel hinwegfegt, uns noch mehr zu spalten“, so Chastain in ihrer Dankesrede: „Es gibt Gewalt und Hassverbrechen, ausgeübt an unschuldigen Bürgern überall in der Welt.“

Die 94. Oscarverleihung fand dieses Jahr wieder traditionell im Dolby Theatre in Hollywood statt. Letztes Jahr war die Preisverleihung wegen der Corona-Pandemie deutlich kleiner ausgefallen. Schauplatz war damals ein historisches Bahnhofsgebäude in Los Angeles mit nur wenigen Hundert Gästen.